Kommentar
Phillip Boa kehrt auf dem überraschend altersmilde klingenden Album <I>Diamonds Fall</I> zurück zu sich selber. Weit über 20 Jahre ist es her, dass der in Dormund geborene Wahl-Malteser sein aufregendes Meisterstück <I>Aristocracie</I> auf dem eigenen Label Constrictor veröffentlichte. Mitte der 80er machte sich Boa damit verdient, englische Gruppen wie die heute in Vergessenheit geratene Membranes oder Palookas mit ihrem nervösen Gitarren-Sound nach Deutschland zu holen. Deren Einfluss auf den Voodoo Club waren damals unüberhörbar, und auch in Songs wie dem flotten ?DJ Baron Cabdriver? scheint der britische Gitarrensound alter Tage noch durch. Wurzeln lassen sich nicht so einfach kappen und so nebenbei blüht Constrictor wieder auf. Boa ist nach einer sehr langen Periode bei Major-Companys also wieder Indie, aber an <I>Diamonds Fall</I> hinterlässt dieser Schritt keine Spuren. Multiinstrumentalist Tobias Siebert (Delbo, Klez.E) verfügt als Produzent erneut über ein feines Gespür dafür, wie Phillip Boa tickt. Und der Hauptsongschreiber selber scheint genau gewusst zu haben, wie er Jaki Liebezeit lenken muss, nämlich gar nicht. Die trommelnde Legende (Mitgründer von Can; Depeche Mode, Burnt Friedman, Jah Wobble) muss man einfach nur machen lassen und wird dafür mit trockenen, hochpräzisen Beats belohnt. Sie sorgen dafür, dass die oft üppigen Arrangements mit immer wieder eingewobenen Schrulligkeiten, Wave-Zitaten, Roadmovie-Ausflügen, Dubs und Funkyness nicht den Rahmen sprengen. es passiert eh schon genau auf <I>Diamonds Fall</I>, wo kaum ein Song dem anderen gleicht, wo sich Pop und Poesie, Tempo und Geschlurfe abwechseln. <I>--Sven Niechziol</I>
Titelliste
Tracks
- 1 Diamonds Fall
- 2 Valerian
- 3 Fiat Topolino
- 4 The World Has Been Unfaithful
- 5 Lord Have Mercy With The 1-Eyed
- 6 The Race Is Over
- 7 Jane Wyman
- 8 Coppergirl
- 9 60'S 70'S 80'S 90'S 10
- 10 The Ballad Of Pia And Toett
- 11 Dj Baron Cabdriver
- 12 Black Light