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Cover: The Suburbs
Pop/Rock

The Suburbs

Arcade Fire

2010 City Slang (Universal) 16 Titel
In meiner Sammlung DIGITAL
Presse
90%
sehr gut gewichtet · 11 Kritiken

Gewichtet: beste und schlechteste Kritik weggelassen. Ungewichtet 90 %.

Meine Bewertung
100%
Musikmythos
Kommentar
Ausgebleichte Fotografien der amerikanischen Vororte zieren die acht Cover des dritten Albums der kanadischen Ausnahmeformation. Die Orte in The Woodlands, in dem Win Butler mit seinem Bruder aufwuchs, in denen das altbackene Auto parkt, repräsentieren die verschiedenen Facetten der \"Suburbs; doch bilden sie alle eine gemeinsame Idee ab: Die Freiheit, Langeweile und Ängste der Vorstadtkinder. Die 16 Songs, die sich auf eine ganze Stunde ausstrecken, malen ein farbenreiches Bild. Auf dieser Reise gibt es viel zu entdecken.
\"The Suburbs\" beginnt mit seinem melodietrunkenen Titeltrack, auf dem Win Butler uns mit seiner auf-und absteigenden Stimme in die Vorstadt einführt: Die Kindheit ist längst hinter sich gelassen und nun gibt es innere Spannungen: Alte Freunde entfernen sich, treffen wieder zusammen, entfernen sich wieder. Das Ich ist sich dem hier bewusst und hat Zukunftsängste: \"Why I want a daughter while I\'m still young/I wanna hold her hand/And show her some beauty/Before this damage is done\". Arcade Fire bieten eine kraftvolle Eröffnung auf und das Album wird sich sehr oft auf diesen Track zurückbesinnen.
\"Ready To Start\" ist dann ein doch eher typischer Hymnenklopper, dessen wahrer Hook aber bis zum Schluss vorenthalten bleibt. So wirkt das gegen Ende geshoutete \"Now I\'m ready to start!\" wie eine Befreiung.
\"Modern Man\" geht dann einen Gang zurück und zeigt das Ich, das zuvor noch Konflikte in den Suburbs austrug, als selbstbewussten, modernen Hipster. Die Melodie stottert stakkatoartig auf und ab und bildet einen Kontrast mit dem gewohnten Pomp von Arcade Fire - auch dies wird zur einer wegweisenden Charakteristik der Platte.
\"Rococo\" baut sich dann klimaktisch auf, beginnt als bitter-süßes Lied. Die Wiederholungen des Wortes \"Rococo\" zeigen eine kindliche Naivität und betten sich überraschend gut in eine hymnenhafte Melodie ein. Das allgemeine Gefühl des Tracks wird dabei noch mit einer Klassik-Decke überzogen.
Bei \"Empty Room\" hört man endlich wieder die engelhafte Stimme Regine Chassagnes, die noch nie so kraftvoll und wunderbar klang. Über dichte und schnelle Instrumentisierung lagern sich rockige Soundschichten - der Song geht gut nach vorne. Aber wie gewohnt schaffen Arcade Fire ohne Mühe den Spagat zwischen Melodie und Bombast. Ein Highlight.
In den folgenen Tracks von \"City With No Children\" bis zu \"Suburban War\" manifestiert sich diese Idee. Grundsolide Songs, die in ihrem Ausbruch atemraubend sind, bis hin zu dem grandiosen Finale von \"Suburban War\" - spätestens hier hat man sich in der Platte verloren und während es von der schönen Ballade \"Wasted Hours\" weiter geht zum komplizierten, aber irgendwie auch herrlich leichten \"Deep Blue\", steuert man doch langsam dem Finale entgegen. Und dort haben Arcade Fire noch was zu sagen.
\"Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)\" ist schlicht gesagt der stärkste Song der Platte und einer der besten der Kanadier, der sich ohne Probleme in Jahresendlisten finden wird. Regine Chassagne übernimmt wieder das Steuer und raubt einem den Atem mit einer Power, die man der zierlichen Dame gar nicht zugetraut hätte. Eine der schönsten Melodien von Arcade Fire steht in Wechselwirkung mit Lyrics, die kraftvoll den gesamten Feel der Platte zusammenfassen:\"We rode our bikes to the nearest park/sat under the swings and kissed in the dark/we shield our eyes from the police light/we run away, but we don\'t know why\". Schönheit, Romantik, Angst. Das Gefühlskompendium wird hier nochmal in voller Wucht aufgeschlagen, bevor eine versöhnliche und ruhige Wiederholung des Titeltracks das Album rundherum abschließt.

Was soll man sagen - oder besser: Was muss noch gesagt werden? Nicht umsonst wird Arcade Fire seit Jahren von der Presse als neue Heilsbringer angepriesen. Nicht umsonst reihen sich David Bowie und Bono in die Reihe ihrer größten Fans ein. Nicht umsonst hat das siebenköpfige Ensemble so viel zu sagen. Während wie bei \"Neon Bible\" die politiktrunkenen Aussagen mit einem Schulterzucken hinnahmen, können wir der Band auf ihrem neuen Album wieder ganz vertrauen. \"The Suburbs\" zeigt, dass Arcade Fire bei emotionalen und menschlichen Themen wie auf ihrem Opus Magnum \"Funeral\" immer noch am besten ist.

Als Hörer dieser Platte wird man die Reise durch die amerikanischen Vororte sehr oft bestreiten wollen. An der Hand dieser wunderbaren Band fühlt man sich dort mit Zuhause. Man verliert sich in den Texten und in den Bildern, die Arcade Fire malen. Aber am allerwichtigsten ist die Tatsache, dass die Musik wieder einmal inspirierend und berührend ist, gleichzeitig zum Mitsingen animiert und Ohrwürmer verpflanzt. \"The Suburbs\" ist der entgültige Beweis, dass Arcade Fire auf lange Sicht die Indie-Szene und womöglich auch die gesamte Musikwelt prägen werden.
11 Einzelkritiken anzeigen
Titelliste

Tracks

  1. 1 The Suburbs
  2. 2 Ready To Start
  3. 3 Modern Man
  4. 4 Rococo
  5. 5 Empty Room
  6. 6 City With No Children
  7. 7 Half Light I
  8. 8 Half Light II (No Celebration)
  9. 9 Suburban War
  10. 10 Month Of May
  11. 11 Wasted Hours
  12. 12 Deep Blue
  13. 13 We Used To Wait
  14. 14 Sprawl I (Flatland)
  15. 15 Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)
  16. 16 The Suburbs (Continued)