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Cover: Transatlanticism
Pop/Rock

Transatlanticism

Death Cab For Cutie

2003 Grand Hote (Indigo) 22 Titel
In meiner Sammlung CD DIGITAL
Presse
80%
gut Schnitt · 5 Kritiken
Meine Bewertung
100%
Musikmythos
Kommentar
Poesie und Melodie....

Das vierte Album des Quartetts aus Seattle beginnt direkt laut, begrüßt das neue Jahr und den Neubeginn, nimmt sich dann aber zusammen, wird leiser, melancholischer, gemächlicher Gitarrenpop dringt an das Ohr das Zuhörers und lädt zum Träumen ein, dann lebt es wieder auf, lässt die Sonne aufgehen, zeigt die guten Seiten des Lebens und bald darauf wieder Wehmut und Sehnsucht, die natürlich auch Teil des ausbalancierten Ganzen sind.

Überhaupt ist Transatlanticism ein wunderbar emotionales sowie melodisches Stück Musik, durchwoben von Melodiebögen und Zeilen, die dir von der Schönheit der kleinen Dinge erzählt, von Beziehungen, der Ironie des Lebens, Sehnsucht, der Schönheit einer im Nebel liegenden Vorstadt um 5 Uhr Morgens, wenn die Morgensonne den Tag mit sanftem Licht einläutet und du dies allein oder mit deiner Liebe an der Hand erleben darfst.
Zwar dauert es ein wenig, bis man sich in die subtilen und melodischen Kompositionen reingehört hat, denn rein oberflächlich könnte man dieses Album als belanglosen Gitarrenpop abtun, aber zwei bis drei Hördurchgänge später beginnt man instrumentale oder lyrische Details zu entdecken, verliebt sich in Melodieperlen oder lässt sich von den emotionalen Songs einfach mitreißen.

Highlights des Albums sind:
„Expo '86", welches ruhig beginnend, zum Refrain hin zu einem schönen Rocksong anwächst während Ben Gibbards mit einer wohltuenden Ironie das Warten auf einen Wechsel, das Ende des Kreislaufs abwartet und besingt. „And I have waited, the anticipation's got me glued, I am waiting for something to go wrong".

Der monumentale, achtminütige Titelsong "Transatlanticism" wird getragen von ruhigen, melancholischen Klavierklängen, der Atlantik entsteht in einem Lied, schafft Distanz zwischen den Menschen, trotzdem dringt nach und nach das Licht der Hoffnung in Form einer Gitarrenmelodie in den Song und Ben Gibbards singt von Sehnsucht „I need you so much closer".

In „We looked like Giants" wird mal der Verzerrer angeschaltet, von Gitarrenklängen und leichten Pianotupfern und vor allem Ben Gibbards außergewöhnlicher Stimme getragen, ist der vorletzte Song des Albums einer der rockigsten und mitreißendsten.

Alles in allem ein schönes Werk aus Gitarrenpop, leisem Rock, Emotionen, mitreißenden Melodien und Zeilen zum Nachdenken und Mitsummen. Wessen Popherz geht bei dem motivierten „Baa-baah"'s in „The Sound of Settling denn nicht auf? Musik für den Herbst... und für Frühling, Sommer und Winter eigentlich auch.

"Silent Rock" prangert auf dem Genre-Etikett dieser Platte, zumindest laut Plattenfirma. Aber so richtige Stille ist das nicht. Assoziert man Silent aber mit ruhigen Momenten, dunklen Herbstagen und Melancholie kommt man schlussendlich doch auf den Sound dieser Indieband. Angesiedelt irgendwo zwischen Jimmy Eat World zu Clarity Zeiten, vermischt mit lauten Momente ala' Built To Spill, oder auch den späteren Promise Ring. Alles Referenzen also die man gerne liest, und doch (zum Glück) stehen Death Cap For Cutie auf eigenen Füssen mit ihrem Sound, zitieren die Grossen der Grossen nicht sondern erinnern nur daran.

Gleich der erste Song The New Year ist ein achtminütiger Brocken der zeigt was für ein ausgeschlafener Song - und Soundwriter dieser Gibbard (Voc/Git) doch ist. Tiefgründige Erhabenheit, gleichermassen tiefen Schmerz und unendliche Liebe, all das und noch viel mehr vepackt Gibbard zu einer Emorock Perle par excellence. Und so geht es das ganze Album über weiter. Traurigkeit und Melancholie die Hand in Hand zusammen gehn, die manchmal schmerzende Höhepunkte ereichen, nur um sich dann per lautem Gitarreneinsatz in all ihrer Wut und Verzweiflung zu entladen, schön nachzuhören im Emo-Overkill Death Of An Interior Decorator. Doch auch wenn Gibbard so gerne die Traurigkeit in all ihren Formen zelebriert, am Ende so ziemlich jedes Stückes siegt doch der Optimismus in seinen Lyrics, anstatt den Zuhörer im Pein alleine zurückzulassen zeichnet er doch noch einen kleinen Hoffnungschimmer am Horrizont. When you feel embarrassed then I'll be your pride. When you need directions then I'll be the guide. For all time. For all time." aus Passenger Seat Das ganze wirkt wie ein Spiel bei dem Gibbard die Fäden zieht und den Zuhörer vom Regen in den Sonnenschein und zurück schickt, ...

Transatlanticism ist zweifelsfrei ein schönes Emorockalbum, und passt thematisch wunderbar zum Herbst. Es ist manchmal so braun wie die abgefallen Blätter und so kahl instrumentalisiert wie der Baum von dem sie sind. Manchmal so düster wie die Nacht und manchmal so erhellend wie ein kurzzeitiger Sonnenstrahl, der genauso schnell verschwindet wie er gekommen ist.
5 Einzelkritiken anzeigen
Titelliste

Tracks

  1. 1 The New Year 4:06
  2. 2 Lightness 3:30
  3. 3 Title and Registration 3:39
  4. 4 Expo ’86 4:11
  5. 5 The Sound of Settling 2:13
  6. 6 Tiny Vessels 4:22
  7. 7 Transatlanticism 7:55
  8. 8 Passenger Seat 3:42
  9. 9 Death of an Interior Decorator 2:57
  10. 10 We Looked Like Giants 5:33
  11. 11 A Lack of Color 3:36
  12. 12 The New Year (demo) 3:17
  13. 13 Lightness (demo) 4:24
  14. 14 Title and Registration (demo) 3:42
  15. 15 Expo ’86 (demo) 5:00
  16. 16 The Sound of Settling (demo) 2:36
  17. 17 Tiny Vessels (demo) 4:55
  18. 18 Transatlanticism (demo) 6:13
  19. 19 Passenger Seat (demo) 3:19
  20. 20 Death of an Interior Decorator (demo) 3:11
  21. 21 We Looked Like Giants (demo) 3:52
  22. 22 A Lack of Color (demo) 3:24