Zurück
Foto: AC/DC
Band

AC/DC

Australien gegr. 1973 Website
4 Alben · Ø meine Bewertung: 72 % befriedigend
Biografie
AC/DC (englisch für Wechsel- und Gleichstrom) machten Molotow-Cocktailmusik «für heranwachsende junge Weiße, die vielleicht die Biker von morgen sind» (?Variety?). Angus Young (g), am 31. März 1959 in Glasgow geboren, sein Bruder Malcolm Young (g), am 6. Januar 1953 in Glasgow geboren, Ronald «Bon» Scott (voc), am 9. Juli 1946 in Kirrimuir, Schottland, geboren, Phil Rudd (dr, 1983 ersetzt durch Simon Wright) und Mark Evans (bg, 1977 ersetzt durch Cliff Williams) rotteten sich 1973/74 in Sydney, Australien, zusammen, «weil die Kids dort nichts hatten - außer Linda Ronstadt» (Angus Young). Diesem Notstand halfen sie mit rüden Songs über Sex, Suff und Sünde ab, «laut, schnell und elektrisierend, wie Rock-Nummern eben sein sollen» (?Sounds?). Wenn sie ihr Repertoire aus den Instrumenten droschen, gebärdeten sich die Musiker wie Derwische und ersetzten fehlende Intelligenz des Vortrags durch mitreißende akrobatische Kunststücke. Dabei tat sich Gitarrist Angus besonders hervor: Zumeist hüpfte er in Schuluniform mit kurzem Höschen wie ein verderbtes Internatskind über die Bühne, während er sich an seinem Spielgerät verging, und zeigte auch schon mal dem entzückten Pubertär-Publikum den blanken Hintern. In der schieren Verschwendung von Jungmänner-Energie konnte kaum eine andere Rock-Band der achtziger Jahre der Sturmtruppe mit dem Wechselstrom/Gleichstrom-Namen gleichkommen. «Aber wenn es um Plattenaufnahmen geht, ist die Sache ganz anders», befand der ?New Musical Express? als Anführer im Chor der niedermachenden Kritik über die AC/DC-Vinyl-Stücke, von Angus' und Malcolms Bruder George Young mit seinem ehemaligen Easybeats-Partner Harry Vanda produziert. «Sie haben musikalisch nichts zu sagen», verurteilte ?Rolling Stone?, erregte sich über den «zweifellosen Tiefpunkt im Hard Rock-Genre» und rechnete schließlich ab: «Dummheit befremdet, kalkulierte Dummheit beleidigt.» Als Bon Scott am 20. Februar 1980 nach einer durchzechten Nacht in London an Erbrochenem erstickte, schlachtete die Band in Pressetexten den Tod als gloriosen Macho-Abgang aus und legte mit dem neuen Sänger Brian Johnson, am 5. Oktober 1947 in Newcastle geboren, ein Memorial-Album (Back In Black) vor, das «als groteske Perversion der frühen Led Zeppelin» (?NME?) geschmacklose Anspielungen auf Scotts unappetitliches Ende, frauenverachtende Texte und musikalisch inferiore Selbstzitate enthielt. Diese miese Tour war aber bei dem weltweiten eingeschworenen Fan-Clan nach wie vor eine Erfolgsmasche, die Single mit dem trotzigen Titel Rock'n'Roll Ain't Noise Pollution ein Hit. Auch auf neueren Produktionen ließen die Rock'n'Roll-Nervtöter die Metal-Klischees rasseln, die durchaus vorhandene Ansätze zu musikalisch substantielleren Beiträgen übertönten. Während der Achtziger beruhigten sich die Metal-Elektriker und veröffentlichten ihre Alben in größeren Zeitabständen. Sie wuchsen in die Rolle der Hard Rock-Klassiker hinein, die sie vordem nur imitiert hatten. 1990 wurde Drummer Simon Wright durch Chris Slade (Manfred Mann, Gary Moore) ersetzt. Das von dem Heavy Metal-Experten Bruce Fairbairn produzierte Album überflügelte den Erfolg der vorangegangenen Platten. Die konsternierte Bewunderung der Kritik angesichts der LP Live galt weniger der schnörkellosen Musik und deren Monteuren als vielmehr der Unverfrorenheit, mit der AC/DC das Immergleiche auf immer neue Platten bannte. Dabei konfrontierte Live (1992) seine Zuhörer nicht mit minutenkurzen Songs, sondern mit breit ausgewalzten Fassungen der AC/DC-Klassiker High Voltage, Let There Be Rock und Jailbreak. ?Mojo? versuchte das Erfolgsgeheimnis der Australien-Rocker zu erklären: «Sie verkörpern eine Musik vor Punk, vor Heavy Metal, als Rock noch Tanzmusik war.» Und, weil die Beastie Boys T.N.T. von 1976 in einem ihrer Rap-Stücke verwandt hatten: «Vielleicht waren sie ihrer Zeit einfach voraus.» AC/DC-Fan Rick Rubin, den die Band für die Produktion von Ballbreaker (1995) engagierte, sah es unkompliziert: «Gleichgültig, was sie machen, es klingt immer wie AC/DC.» Dem ?Spiegel?, der sie nach mehr als 80 Millionen verkauften Platten «zu den großen Primitiven des Rock'n'Roll» zählte, gewährten die 1 Meter 57 Zentimeter kleinen Brüder Young Ende 1997 ein Gespräch. Frage: «Können Sie es sich erklären, daß Sie seit fast 25 Jahren als böse Buben der Rockmusik gelten?» Malcolm: «Kleine Jungs müssen viele böse Scherze ertragen: Hey, du Zwerg, wie ist denn das Wetter da unten? Da lernst du ganz schnell die passenden Antworten: Komm doch her, ich zeig's dir, wenn du neben mir im Dreck liegst.» Angus: «Wir wachsen mit den Stadien.» Zu Anfang des neuen Jahrtausends ließen sie es mit dem Album Stiff Upper Lip wieder im Studio krachen. «We felt like the music world was getting a bit sterile of late, so we'd give them a good ol' wham, bam, Rock'n'Roll man album» (Producer George Young) - voll der alten, abgenudelten Heavy Blues Rock Riffs und der pubertären Sex-Protzerei ihrer Big Balls von 1981. Diesmal prahlte Johnson: «I warn all you ladies, I shoot from the hip/I was born with a stiff (Pause) ... stiff upper lip.» Und so weiter bis in alle Ewigkeit - gemäß Titel sieben: Can't Stop Rock'n'Roll. Der deutsche ?Rolling Stone?: «Prolltum ist schick beziehungsweise kultig, was heute ja massentauglich bedeutet.» In den deutschen Charts landeten AC/DC ergo wieder auf Platz eins. Weltweit hatten sie sich mit ihren Plattenverkäufen hinter den Beatles, Pink Floyd, Led Zeppelin und den Eagles gar an fünfter Stelle positioniert.