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B
Band

Black Sabbath

England gegr. 1969
3 Alben · Ø meine Bewertung: 85 % gut
Biografie
Black Sabbath verschwor sich 1969 in Birmingham zum totalen Rock und taufte sich nach einem Horrorfilm mit Boris Karloff. Ein Jahr später war das Quartett mit dem in zehn Minuten arrangierten Debilen-Trip Paranoid auf beiden Seiten des Atlantik eine Hitband. John «Ozzy» Osbourne (voc), geboren am 3. Dezember 1948, Tony Iommi (g), geboren am 19. Februar 1948, Terry «Geezer» Butler (bg), geboren am 17. Juli 1949, und Bill Ward (dr), geboren am 5. Mai 1948 (alle vier in Birmingham), ergingen sich zunächst in okkulten Bühnen-Ritualen und prahlten von ihren gewalttätigen Kinderspielen in den Arbeitervierteln Birminghams, bis sie sich als romantische Rock-Outlaws volkstümlich gemacht hatten. Ihr Erfolg beim minderjährigen Publikum stand im umgekehrten Verhältnis zur Wertschätzung der Kritiker. Der zähflüssige Lava-Sound mit einer enervierend jammernden Solostimme transportierte Society-Schock-Texte vom Kaliber «Nimm dir ein Leben, es wird billig; töte jemand, niemand wird weinen. Die Freiheit ist dein; tu nur deine Pflicht, wir wollen bloß deine Seele» (Cornucopia). Diese begeisterten die Jugendlichen Amerikas so sehr, daß die Band dort pausenlos auf Tournee war und ständig Goldalben kassierte. Erst nachdem einige Spieler bei Konzerten vor Erschöpfung zusammengebrochen waren, gab die Band ihre hektischen US-Reisen auf. Osbourne begründete es anders: «Amerika ist das satanischste Land der Welt. Für Dollars machen die Yankees alles. Die Leute (mit ihrer Rauschmittelgier) sind fast wie lebende Alpträume. Ich wundere mich, daß die Hälfte von ihnen nicht mit einem Sarg ins Konzert kommt.» Daß die Band mit der Thematik ihrer Songs, ihrem selbstgegebenen, bis hin zur Cover-Gestaltung der Platten dazu passenden Image selbst bestimmender Teil dieses Kultes war, schien Osbourne dabei außer acht zu lassen. Tatsächlich war Black Sabbath nach der eher komisch wirkenden Crazy World von Arthur Brown und den eher pubertären Schock-Gags eines Alice Cooper die erste Band, die das Bild von Heavy Metal prägte und den Fan im unklaren ließ, wie ernst das Ganze denn nun gemeint war. Nach dem Rückzug aus Amerika nahm Black Sabbath den Dampframmen-Rock ein wenig aus der Schußlinie der Kritik. Spätere Produktionen (Volume 4) lockerten die Musiker mit Instrumentaleinlagen und Streicherzugaben auf und bewiesen mit variationsreicher Spielweise auch Skeptikern, daß sie in Wirklichkeit mehr als nur Schallwerfer waren. Die Gruppe drohte sogar noch weiterzugehen: «Wir sind vielseitig. Wir könnten Jazz spielen, wenn wir wollten.» Bevor es zu solchen kunstgewerblichen Aktivitäten kam, verließ Osbourne das Quartett der harten Rocker und stürzte sich in eine tumultuöse Solokarriere. Weitere Bandmitglieder kamen und gingen, darunter Ronnie James Dio (voc), der später sein eigenes Schwermetall-Ensemble zusammennietete, Ian Gillan (voc), Glenn Hughes (bg, voc) von Deep Purple. Obwohl der abtrünnige Osbourne mit Greuelgehabe und Furienklängen kommerziell weitaus besser im Rennen der Metal-Gladiatoren lag, ließ sich die Sabbath-Gemeinde um Gitarrist Iommi nicht so leicht abhängen. Der postulierte, selbst als ihn Ward und Butler auch noch verlassen hatten: «Die Musik soll es bringen und nicht die Effekthascherei.» Gerade die Musik aber brachte laut ?Rolling Stone? nur noch «altmodische Langweiligkeit». Doch die Fans kauften die Platten nach wie vor in die Hitparaden, selbst das wiederveröffentlichte Paranoid kam 1980 noch einmal zu Hit-Ehren. Die bandinternen Probleme fanden 1985 ein kurzzeitiges Ende, als zum «Live Aid»-Konzert in Philadelphia die originale Besetzung der Band, Osbourne eingeschlossen, zusammenkam. Zu diesem Zeitpunkt hatte Iommi sich allerdings längst als Black Sabbath-Mittelpunkt durchgesetzt und duldete keinen anderen Star neben sich. «Black Sabbath with Toni Iommi» war auf der LP Seventh Star zu lesen: der Gitarrist neben einigen anderen, zum Teil unbekannten Musikern. Jahr um Jahr veröffentlichte Iommi mit wechselnden Mitstreitern LPs, 1991 etwa mit Butler, Vinnie Appice und Ronnie James Dio - allesamt gehörten sie schon zu früheren Black Sabbath-Formationen. Als Ozzy Osbourne seinen Rückzug von der Konzertbühne ankündigte, kam es 1992 zu einer Konzert-Reunion beinahe der kompletten Urbesetzung, doch mochte Osbourne sich nicht überreden lassen, noch einmal der Frontman der Band zu werden. Iommi nahm es gelassen und spielte mit Butler, dem früheren Rainbow-Drummer Bobby Rondinelli und dem Sänger Tony Martin Cross Purposes ein. Die Zeit arbeitete für ihn: 1997 kehrte Osbourne ans Sabbath-Mikrofon zurück. Nach dem Ozzfest im Mai 1997 in Stone Ridge, Virginia, wo Osbourne und Black Sabbath auf dem gleichen Ticket auftraten, gab es am 4. und 5. Dezember die endgültige Reunion am Ort der Bandgründung - im National Exhibitions Center in Birmingham. Die Konzert-CD Reunion (1998) enthielt neben den Hits auch weniger bekannte Stücke aus den Anfangsjahren wie Dirty Women, Spiral Architect, Behind The Wall Of Sleep, die vor allem die Nach-Grunge-Generation begeisterten. Jüngere Metal-Bands wie die Cardigans (Sabbath Bloody Sabbath), Pantera (Planet Caravan), Butthole Surfers (Sweet Leaf) hatten schon 1994 mit den Sampler Nativity In Black ihren Vorbildern gehuldigt, 2000 folgten Godsmack, Megadeth, System Of A Down u.a. mit einer zweiten Ausgabe. Am 5. April 1998 kam der zeitweilige Sabbath-Drummer Cozy Powell (geb. 29. Dezember 1947 als Colin Flooks in Cirencester, Gloucs.) ums Leben, als er beim Telefonieren mit seiner Freundin in seinem Saab 9000 auf der A 4 zwischen London und Bristol mit der Leitplanke kollidierte. Drummer Bill Ward mußte die Reunion-Tournee 1998 nach einem Herzinfarkt absagen und wurde durch Carmine Appice ersetzt. Bassist Geezer Butler mußte während der Tour wegen eines akut verklemmten Nervs auf der Stelle ins Hospital. 2001 kündigte die Originalformation von Black Sabbath nicht nur erneut eine ausgedehnte Tournee an, sondern ging auch im Dezember mit Produzent Rick Rubin ins Studio, um ein komplett neues Studioalbum aufzunehmen. Die Aufnahmen scheiterten jedoch kläglich und wurden niemals veröffentlicht. Stattdessen veröffentlichte Osbourne sein Solo-Album Down To Earth. Ein ebenso spektakuläres wie skurriles Comeback erlebte mit der Doku-Soap The Osbournes über seine Familie, die zur erfolgreichsten MTV-Serie aller Zeiten wurde.