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Solo-Künstler
Chris De Burgh
1 Album
Biografie
unter dem Namen Christopher John Davidson als Sohn eines irischen Diplomaten am 15. Oktober 1948 in Argentinien geboren, befuhr «die Siegesstraße mit jenem Stil, den man so schön ?middle of the road? nennt» (?Der Tagesspiegel?). Seine «Balladen im Weichspülgang» schienen «jenen Fluchtpunkt der Gefühle zu treffen, der in kalten Zeiten von Kerzenlicht in warmer Heimstatt kündet», so die ?FAZ?. Heimat und Heimeligkeit hatte er in früher Kindheit bei den Berufsaufenthalten der Familie in Nigeria, Zaire und auf Malta vermißt. 1960 eröffnete der Vater bei Dublin, Irland, in einem restaurierten Normannenschloß aus dem 12. Jahrhundert ein Hotel. Da war es wohl angemessen und schicklich, daß Chrissie (Kosename), der mittlerweile am renommierten Trinity College in Dublin Englisch und Französisch studierte, unter dem Familiennamen der Mutter mit der Klampfe und selbstverfaßten Gesängen vor die Hotelgäste trat. Schon die Frau des Normannenfürsten Wilhelm der Eroberer, der im Jahre 1066 den Kanal überquerte, hieß Eleanor de Burgh, im Drama ?King John? beschrieb William Shakespeare Gemütstiefe und Zivilcourage eines Hubertus de Burgh. Das paßte sehr gut zu den Liedern eines Barden in der Nachfolge von Cat Stevens und Donovan mit Parabeln aus der christlichen Heilsgeschichte, Kreuzfahrerlegenden, Königsdramen und Beziehungskisten. «Hoch über den Sorgen der Welt möchte er mit seiner Liebsten schweben, und in einer alten Festung will man gegenseitig die tiefsten Geheimnisse ergründen», schrieb ?Die Welt? über den Song Fire On The Water. Textprobe: «Oh, heute abend passiert etwas,/Und das ist etwas, das nie passieren sollte,/Aber da ist eine Flamme über dir und mir.» Lange mochte die schnöde Welt de Burghs Poesie nicht recht goutieren. Im Vorprogramm der «Crime of the Century»-Tournee von Supertramp 1974 erhielt er nur Achtungsapplaus; seine ersten vier LPs Far Beyond These Castle Walls (1975), Spanish Train And Other Stories (1975), At The End Of A Perfect Day (1977), Crusader (1979) fanden kaum Käufer. Erst als er sich zum fünften Album Eastern Wind (1980) und für die dazugehörige Tour mit Ian Kojima (sax), Al Marnie (bg), Glen Marrow (kb), Tim Wynveen (g), Jeff Phillips (dr) eine reguläre Band zusammenstellte, flammten rund um den Globus in seinen Konzerten Wunderkerzen und Feuerzeuge auf - zunächst in (von Dublin aus gesehen) exotischen Ländern. Eastern Wind wurde in Norwegen mit 125000 verkauften Exemplaren zur zweiterfolgreichsten LP nach Abbey Road von den Beatles. Best Moves (1981), eine Kompilation früher Songs mit nur einem neuen Track, klickte zuerst in Kanada. 1982, im Jahr von The Getaway, wurde ein Viertel von weltweit einer Million LPs in der Bundesrepublik Deutschland verkauft. In der BRD, den alten Ländern, verzeichnete der Künstler fortan nicht nur die treuesten Fans und die verbissensten Kritiker (?Die Welt?, 1986: «Stereotype Synthesizer-Klänge und vermeintlich gehaltvolle Texte ergeben eine dicke Gefühlspampe, die die Gehörgänge verstopft»), hier wurde seine Kunst auch lexikonreif analysiert. Armin Sahihi am 8. Dezember 1986 in der ?Frankfurter Allgemeinen Zeitung?: «Seine Musik, die Lieder, die er schreibt, sind in der Tat narrativ, wortreich, manchmal wortlastig erzählend. Melodie und Rhythmus sowie die Abfolge von Text und Refrain dienen häufig nur noch als dramaturgische Taktgeber und akustischer Hintergrund einer Erzählung. Die Handlung ist meist einfach, ihr Fortlauf fast immer voraussagbar, die Moral leicht durchschaubar - und die Metaphern sind in aller Regel altbekannt. Die Liebe und die Liebe zum Leben, das Leben als Spiel, als Weg, als Kampf, Kämpfe zwischen Helden und Schurken, Guten und Bösen sind die Motive - oft historisch nachempfunden, sehr oft biblisch orientiert. Die Haltung des Erzählers Chris de Burgh ist immerzu moralisch und streng wertorientiert. Entsprechend lebt auch sein Vehikel, die Musik, von eingängigen, einprägsamen Melodien, mit einem Hauch des geheimnisvollen Irischen und erfüllt von menschenmöglicher Inbrunst.» In jenem Jahr 1986 verbuchte er mit dem Album Into The Light, Nummer zwei in England, und der Single The Lady In Red, die sich drei Wochen auf Platz eins der britischen Charts hielt und in den USA auf Platz drei kam, seine größten Hits. Im Oktober 1991 empfing er von der Urheberrechtsgesellschaft ASCAP in Großbritannien einen London Award, in den USA einen PRS Award für einen der meistgespielten Songs des Jahres. Into The Light wurde weltweit mehr als achtmillionenmal abgesetzt. In Südafrika hatte de Burgh, so errechnete das Management seiner Frühjahrstournee 1993 mit 100000 Besuchern, in 15 Jahren 350000 LPs verkauft. Mit This Way Up (1993) versuchte de Burgh mit den Sessionmusikern Neil Taylor (g), Vic Martin (kb), Phil Spelding (bg), Jimmy Copley (dr) musikalisch eine etwas härtere Gangart einzulegen und erlaubte sich im Song Blonde Hair, Blue Jeans etwas Sex, in This Weight On Me etwas Presseschelte. Ergebnis: Daumen nach unten. David Sinclair in der ?Times?: «The only possible direction for This Way Up to go is down.» Da verlor sich der «Poet des Rock» (?New York Times?), abgeschirmt von einem 43köpfigen Orchester und einem vielstimmigen Chor, doch lieber wieder in seinen Beautiful Dreams (Albumtitel, 1995) und wartete 1997 mit einem puren Love Songs Album auf. Für solch herzliches Bemühen um die Gunst seines Publikums hatte Kritiker Peter Kemper schon 1982 in der ?FAZ? versöhnliche Worte gefunden: «Ein Gestus der Gefälligkeit, des gediegenen Kleinods wohnt den meisten Liedern inne ... Tröstungsversuche für glücklose Tagträumer. Wunschbilder gewinnen da vertraute Kontur, sind Surrogate unerfüllter Leidenschaften.» Dem konnte sich Kritiker Sigi Hümmer 1999 im ?WOM Journal? vorbehaltlos anschließen: «Mein altes, geschundenes Herz ging auf wie eine Aster in der Herbstsonne.» Er nannte de Burghs Album Quiet Revolution, von Chris Potter (George Michael, Take That) wieder mit einer konventionellen Begleitband produziert, «ein Meisterwerk der Melancholie». Nach dreijähriger Pause brach er 2002 einmal mehr die Herzen seiner nach wie vor durchweg weiblichen Fans mit Timing Is Everything.