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C
Band

Chumbawamba

England gegr. 1983
1 Album
Diskografie

Alben

Biografie
Chumbawamba, gegründet 1983 in Leeds, verbanden eingängige Pop-Songs mit brisanten politischen Inhalten, ohne jemals dem Image einer eindimensional festgelegten Agitprop-Band aufzusitzen. Auch wenn der ?NME? urteilte: «Der Sound ist wichtiger als die Musik», lieferte die Gruppe mit eingängigen Melodien und folkloristischem Timbre eher fröhlich-sarkastische Kommentare zur Zeit als plakative Protest-Songs. Man konnte, mußte sich aber nicht auf ihre Botschaften einlassen. «Chumbawamba sind keine Polemiker oder blind agierende Stresser. Ihre Art von Show kann man als Infotainment bezeichnen, da neben ihrer Musik auch noch Varieté, Zirkusluft und basisbezogene Informationsmusik in das Gesamtkonzept einfließen» (?Uncle Sally's?). Sie waren «die ultimative Kombination von tanzbarer Popmusik und politischer Radikalität» (?Visions?). Die Ursprünge von Chumbawamba lagen in einer anarchistischen Wohngemeinschaft in unmittelbarer Nachbarschaft zum Armley-Gefängnis von Leeds. Die Schlagzeugerin und spätere Sängerin Alice Nutter, zuvor bei Oh My Hair's On Fire, Sänger Dunstan Bruce, zuvor in der Velvet Underground-Coverband Men In A Suitcase, und der Computerspezialist Lou Watts nahmen einen Song für eine Compilation auf, an der sich auch die Band Passion Killers mit Harry Hamer und Mavis Dillon beteiligte. Die beiden Bands taten sich zusammen und gründeten Chumbawamba. «Ihr erster Auftritt an Elvis' Geburtstag 1982 endete in einem Flaschenhagel» (?WOM Journal?). Die Besetzung wechselte entsprechend der Fluktuation der Wohngemeinschaft und mündete schließlich in einem achtköpfigen Ensemble. Eher ein Punk-Theater, in dem die Rollen je nach Bedarf verteilt werden, als eine Band herkömmlichen Formats, nahmen sie die politische und soziale Realität der Thatcher-Ära ins Visier. «Chumbawamba ließen keine Gelegenheit aus, von ihrer geschützten anarchistischen Trutzburg aus gegen das Establishment zu rebellieren. Sie spielten im Bankenviertel von London ohrenbetäubende Straßenmusik, befreiten Tiere aus einem Versuchslabor in Glasgow» (?Aktiv?), gaben Benefiz-Konzerte für politische Kampagnen, sammelten auf der Straße Geld für Streiks und unterstützten die Minenarbeiter bei ihren landesweiten Protesten 1984 und 85. Anläßlich einer Polizeiaktion gegen Obdachlose nahe Stonehenge erschien 1985 die erste Single Revolution, auf der die Band John Lennons Imagine zitierte. Vor und nach dieser Veröffentlichung mußte sich die Band wegen angeblichen Sprengstoff-Besitzes mehrere Polizei-Razzien gefallen lassen. Mit Hilfe John Peels von der BBC gelangte der Song jedoch sofort an die Spitze der britischen Indie-Charts. 1986 erschien das Debütalbum Pictures Of Starving Children Sell Records: Starvation, Charity And Rock_'n'_Roll - Lies And Tradition, ein beißendes Punk-Opus, auf dem die Band Bezug auf Bob Geldofs Live Aid-Erfolg nahm. Mit der Single Scab Aid reagierte sie auf das von der Zeitung ?Sun? initiierte Projekt Let It Be zugunsten der Opfer des Fährunglücks von Zeebrügge. Pünktlich zu den Unterhauswahlen 1987 veröffentlichte die Gruppe ihr zweites Album Never Mind The Ballots ... Here Is The Rest Of Your Lives, die mit dem Song The Candidates Find Common Ground eine scharfe Attacke gegen alle Parteien enthielt. Die Mini-LP English Rebel Songs 1391-1914 (1989) vereinte A-cappella-Versionen von Protest-Songs aus dem Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg. Mit dem Album Slap! (1990) nahmen Chumbawamba eine grundlegende Veränderung ihres Sounds vor. Sie entdeckten die Sampling-Technik und näherten sich der Dance-Szene an, ohne von ihren politischen Inhalten zu lassen. Die Veröffentlichung einer Platte unter dem Titel Jesus H. Christ mit geplanten Coverversionen bekannter Pop-Songs von ABBA bis Paul McCartney scheiterte am Veto der Rechteinhaber der Songs. Die Band reagierte auf ihre Weise mit dem Album Shhh (1992), auf dem sie sich scharfzüngig mit dem Thema Zensur auseinandersetzte. Einen weiteren Wendepunkt in der Karriere von Chumbawamba markierte Anarchy (1994), dessen Indie-Hits Timebomb und Enough Is Enough die Gruppe endlich auch über ihre Klientel hinaus bekannt machten. Das Live-Album Showbusiness (1995) und das Konzeptalbum Swingin' With Raymond (1996), das sich aus einem Love It! und einer Hate It!-Teil zusammensetzte, verfestigten die Reputation Chumbawambas als Band, die sich einmischt, ohne zu penetrieren. «Nach langen Diskussionen beschloß das Kollektiv Chumbawamba, neue Wege zu gehen. Keine Parolen mehr, dafür Besinnung auf die Welt und Gefühle des einzelnen» (?WOM Journal?). 1997 verfehlte das Oktett mit der von der Band als Kampfhymne der britischen Arbeiterklasse gegen die Blair-Republik verstandenen Single Tubthumping nur knapp Position eins der britischen Charts. Mit der CD Tubthumper (1998), der Auskopplung Top Of The World und dem Label EMI im Rücken konnte sie den Erfolgsweg fortsetzen, auch um den Preis, daß Chumbawamba plötzlich dem Establishment angehörten, gegen das sie zwölf Jahre lang angerannt waren. «Chumbawamba haben 15 Jahre gewartet. Dann wurde aus einer skandalumwobenen Punkband ein millionenschweres Pop-Kollektiv. Sie blieben trotzdem ein Fels in der Brandung» (?Ultimo?). Der Skandale nicht müde, kippte Sänger Danbert Nobacon bei der Verleihung der Brit Awards 1998 dem britischen Vize-Premier John Prescott einen Kübel Eiswasser über den Kopf. Auf ihrem neunten Album What You See Is What You Get (2000) setzten sich die «Anarchisten im Disneyland» (?Rolling Stone?) mit der Position des Menschen im Cyberspace auseinander. Die Platte war «über ihren zweifellos humoristischen Gehalt hinaus eine Abrechnung mit den gesammelten Dummheiten im Pop-Betrieb: eine Art Hohlspiegel mit Flügelhorn- und Banjo-Begleitung, mit Scratchern, Hip Hop-Beats und sachte aufgedrehten E-Gitarren» (?Kölner Stadtanzeiger?). An der Spitze der britischen Charts brachten Chumbawamba erneut «ihren Ekel gegenüber allgegenwärtiger Verlogenheit und einer Welt, in der man (nur) für Geld alles haben kann» (?X-Mag?), zum Ausdruck. 2001 machten sie Furore, indem sie einige ihrer Songs für Commercials an Firmen lizensierten, mit denen sie sich politisch auf einer Welle fühlten. Auf Readymades (2002) klangen sie zwar poppiger denn je zuvor, weckten aber auch Assoziationen an Serge Gainsbourg und ließen vor allem nach wie vor nichts von der Bissigkeit ihrer Aussagen vermissen. In den Zeiten des Irak-Krieges gehörten sie zu den wenigen britischen Bands, die sich offen gegen die Labour-Regierung stellten.