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Foto: John Mellencamp
Solo-Künstler

John Mellencamp

USA seit 1951 Website
9 Alben · Ø meine Bewertung: 85 % gut
Biografie
John Mellencamp (auch als John Cougar bekannt) (* 7. Oktober 1951 in Seymour, Indiana, USA) ist ein US-amerikanischer Rock- und Folksänger. In Deutschland hatte er Mitte der 80er einige Erfolge mit an Bruce Springsteen erinnernden Rockmusik und Hits wie "Hurts So Good" und "Jack & Diane". Seine spätere Zuwendung zu mehr folkbasierender Musik blieb in Europa nahezu unbeachtet. In den USA hat er aber nach wie vor regelmäßig Top-20-Hits.

Mellencamp hatte eine schwierige Kindheit und Jugend, während der er auch mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt kam. Mit 17 wurde er zum ersten Mal Vater, mit Mitte 30 zum ersten Mal Großvater. Der Umstand in diesem jungen Alter bereits Großvater geworden zu sein, sollte später in einem Frauenmagazin seine Wahl zum "sexiest grandfather alive" begünstigen.

Nachdem Mellencamp mit 24 arbeitslos wurde, ging er nach New York City, um dort eine Musikkarriere zu starten. Er wurde von Tony DeFries, dem damaligen Agenten von David Bowie entdeckt, der ihm einen Vertrag mit MCA Records verschaffte.

1976 erschien mit Chestnut Street Incident sein erstes Album, das etwa zur Hälfte aus Coversongs bestand. Bei der Veröffentlichung kam es zu ersten Spannungen zwischen Mellencamp und DeFries, da DeFries ohne Mellencamps Wissen dessen Namen in Johnny Cougar umbenannt hatte. Das Album floppte und ein zweites, bereits fertig eingespieltes Album, The Kid Inside, wurde von MCA nicht mehr veröffentlicht (als Mellencamp 1982 mit Jack & Diane plötzlich einen Nummer 1 Hit landete, holte man dies jedoch schleunigst nach).

Mit neuem Manager und neuer Plattenfirma erschien 1979 John Cougar und brachte ihm mit dem Song I Need a Lover einen ersten, kleineren Erfolg. 1980 folgte Nothin' Matters and What If It Did, doch erst 1982 gelang ihm mit dem Album American Fool endlich der Durchbruch. Das ein wenig an Bruce Springsteen erinnernde Rockalbum machte ihn mit "Jack & Diane" und dem provokanten, mit Andeutungen an SM spielenden "Hurts So Good" über Nacht zum Megastar in den USA.

1983 (jetzt unter dem Namen John Cougar Mellencamp) folgte mit Uh-Huh ein weiteres Rockalbum mit seinem größten Hit "Pink Houses", bevor er 1985 mit Scarecrow anfing, sich Schritt für Schritt zum Folkmusiker zu entwickeln, der die Probleme der amerikanischen Land- und Kleinstadtbevölkerung thematisierte. Zusammen mit Willie Nelson organisierte er Farm Aid, eine seither jährlich stattfindende Benefizveranstaltung für die amerikanischen Farmer.

Bisher eher als Easylistening-Rocker bekannt, veränderte er seinen Stil zum ernsthaften Musiker und sorgte zudem für Aufsehen, als er, selbst Kettenraucher, es strikt ablehnte, seine Tourneen von Alkohol- und Tabakfirmen sponsern zu lassen.

1987 folgte The Lonesome Jubilee, auf dem er sich erstmals von der klassischen Rockmusik-Instrumentierung entfernte und neben Unmengen an akustischen Instrumenten vor allem Geige und Akkordeon in seine Musik einführte und so einen eigenen Sound kreierte, der viele Musiker, allen voran Garth Brooks, Sheryl Crow und letztlich auch Bruce Springsteen auf dessen 2002 erschienen Comebackalbum The Rising stark beeinflussen sollte.

1989 entwickelte Mellencamp diesen Stil mit dem Album Big Daddy weiter, bevor er 1991 noch einmal mit Whenever We Wanted zum reinen Gitarren-Rock zurückkehren sollte.

1993 experimentierte er auf Human Wheels mit einem melancholischen, bedrückenden Sound, was nicht von jedem seiner Fans angenommen wurde, bevor er 1994 auch in Europa noch mal einen Hit mit einer Coverversion von Van Morrisons Wild Night landete. Kurz darauf stoppte jedoch ein Herzinfarkt seine Karriere, der dazu führte, dass er seither kaum noch außerhalb der USA auftritt und seine Konzerte von einstmals drei Stunden auf knapp 90 Minuten verkürzte.

Kaum halbwegs gesundheitlich wieder erholt (und auf ärztlichem Rat zum Vegetarier geworden), nimmt er 1996 sein letztes Album für Mercury-Records mit vollständig neuem Material auf. Mr. Happy Go Lucky (auf deutsch etwa: "Herr Sorglos") nennt er es trotzig, als wollte er über sein Schicksal spotten.

Inhaltlich ist das Album aber keineswegs so sorglos. Musikalisch kehrt er in seine experimentelle Phase von Human Wheels zurück und arbeitet vereinzelt auch erstmalig mit modernen Hip-Hop-Elementen.

Da er vertraglich noch für 2 Alben an Mercury gebunden ist, gibt er die Zustimmung zu einem mageren, wenig repräsentativen Best-Of-Album und nimmt ein weiteres Album mit hauptsächlich akustischen Neuinterpretationen einiger seiner Hits neu auf, das Mercury jedoch erst zeitverzögert 1999 veröffentlicht.

Vorher erscheint 1998 sein erstes Album für Columbia, das einfach nur den Titel John Mellencamp trägt. Musikalisch kehrt er größtenteils zu dem Folksound zurück, mit dem er ab Mitte der 80er große Erfolge feierte. Gleichzeitig führt er bei einigen Liedern auch seine Experimente mit Hip-Hop-Rhythmen weiter.

2001 erscheint Cuttin' Heads, wo er zwar beim Titelsong sich von Chuck D von der Rap-Legende Public Enemy unterstützen lässt, sonst aber den von der Violine getragenen Folksound bevorzugt. Die Singleauskopplung Peaceful World, eigentlich ein Lied über Rassismus in Amerika, wird nach den Anschlägen vom 11. September als Seelentröster neu interpretiert.

2003 dann geht Mellencamp weiter zurück zu den Wurzeln als jemals zuvor. Auf Trouble No More interpretiert er Lieder aus dem breiten Fundus der amerikanischen Folklore, von der Folklegende Woody Guthrie bis zu den Wurzeln des Blues von Robert Johnson und Son House ist alles vertreten.

Doch gerade im Herzland Amerikas wird dieses Album boykottiert, weil es Mellencamp wagte, den traditionellen Folksong From Baltimore To Washington (bei Mellencamp nur To Washington genannt) mit einem neuem Text aufzunehmen, der sich kritisch mit der Amtszeit George W. Bushs auseinander setzte. Die traditionellen Country- und Folksender im Mittleren Westen weigerten sich daraufhin, Lieder von dem Album zu spielen. Trotzdem kam es auf Platz 1 der Blues-Charts.

2004 setzte er sich, zusammen mit einer Reihe andere Musiker, mit der Vote For Change-Tour für die Wahl John Kerrys ein. 2005 tourte er zusammen mit der Rocklegende John Fogerty.

Im Jahr 2004 erschien ein weiteres Best-Of-Album mit dem Namen Words & Music: John Mellencamp's Greatest Hits. Auf zwei CDs ist die ganze Laufbahn des Rockers aus den USA aufgezeichnet, wobei die zweite Scheibe die definitiv größten Hits wie Hurts So Good, Jack & Diane, Human Wheels und Wild Night beinhaltet. Auf jeder der beiden CDs ist zudem zu Beginn ein neues, unveröffentlichtes Lied zu hören, Walk Tall auf CD 1 und Thank You auf CD 2.

Im Januar 2007 erschien Freedom's Road, John Mellencamps erstes Album seit fünf Jahren, das ausschließlich aus Neukompositionen besteht. Für die Vermarktung des Albums betrat Mellencamp Neuland, indem er die erste Singleauskopplung Our Country einem amerikanischen Automobilhersteller anbot, der es in einem Werbespot für einen neuen Truck verwendete. Mellencamp erklärte diesen Schritt damit, dass die großen Musiksender Videos von ihm kaum noch spielen würden und er sich neue Wege suchen müsste, um neues Material zu promoten.

Das Album selbst kann als ein persönlicher Kommentar zur aktuellen politischen Lage der USA angesehen werden. Im Stil des typischen amerikanischen Protestsongs zeichnet Mellencamp dabei ein düsteres Bild des heutigen Amerikas, beschwört aber gleichzeitig dessen Ideale. So erinnert die erste Single Our Country nicht zufällig an Woody Guthries This Land is your Land, genauso wenig wie er für Jim Crow Joan Baez zu einem Duett ins Studio holte oder dass das letzte Stück Rodeo Clown, eine beißende Kritik an der Politik George Bushs, auf dem Album nicht aufgelistet und hinter dem letzten Track versteckt ist.

Am 10. Februar 2007 wurde Freedom's Road erstmals in den Billboard Albums Charts, der bedeutendsten Chartliste der USA, notiert. Mit Platz 5 war dies der erfolgreichste Charteinstieg in Mellencamps Karriere.

Artikel John Mellencamp. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 17. März 2007, 10:44 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=John_Mellencamp&oldid=29260503 (Abgerufen: 19. März 2007, 10:50 UTC)