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L
Band

LCD Soundsystem

USA gegr. 2001 Website
3 Alben · Ø meine Bewertung: 80 % gut
Biografie
Das neue Jahrtausend ist noch jung, doch in Musikerkreisen hat sich der als LCD Soundsystem fungierende Produzent James Murphy schon manche Meriten verdient. Er selbst hat sich dies früher wohl kaum erträumen lassen. Murphy kommt 1970 zur Welt und wächst in bäuerlichen Verhältnissen in Princeton Junction vor den Toren New Jerseys auf, wo im Übrigen auch die amerikanische Elitehochschule Princeton University ihren Sitz hat. Zu Murphys Jugendzeit gibt der Ort für Heranwachsende nicht viel her. Manche Teenager vertreiben sich die Zeit mit Alkohol, Einbrüchen oder Randalen - James Murphy gehört zu ihnen. Er beginnt im örtlichen Princeton Record Exchange Platten zu kaufen. Der erste Erwerb ist "Nick The Stripper" von Birthday Party. Er kauft vor allem Punkrock-Scheiben, später Big Black, The Fall, My Bloody Valentine oder Suicide. Die ersten Gehversuche in Sachen eigener Band unternimmt Murphy bereits als 12-Jähriger ? The Extremes haben Thrash Metal im Programm.
Neben der Schule führt er zur Aufbesserung seines Taschengelds Telefonbefragungen im Auftrag des Verbands Amerikanischer Physiotherapeuten durch oder hilft in Platten- bzw. Bücherläden aus. Im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Rausschmeißer im Club seines Kickbox-Trainers. Mit 21 hat Murphy dann ein Englisch-Diplom in der Tasche. Eine TV-Produktionsfirma zeigt Interesse: Es geht darum, an Drehbüchern für eine neue Serie mitzuwirken. Es kommt aber zu keiner Zusammenarbeit und die Skripte zur Sitcom Seinfeld schreibt ein anderer.

In den 90er Jahren spielt James in zwei Combos. Zunächst bei den Pixies/Pavement-Epigonen Pony (1992-1994) und zwischen 1995 und 1997 in der Formation Speedking, die aus Pony hervorgeht. Während Pony als das nächste große Ding aus New York gehandelt werden ? intern indes heillos zerstritten sind ? stellen Speedking musikalisch betrachtet allenfalls Durchschnitt dar, wie Murphy selbst zugibt. Von der Band und dem Musikbiz genervt, verlässt Murphy Speedking und beschließt, sich als Tontechniker durchzuschlagen. Später verbringt er einen Großteil seiner Zeit damit, Live-Auftritte amerikanischer Punkcombos abzumischen. Sein Name als Mischer: DFA, Death From Above. Eigentlich der Name eines Soundsystems, das Murphy für die Band Six Finger Satellite entwickelt und bei deren Konzerten bedient. Er richtet sich nebenher ein Studio mit dem Namen Plantain ein, das zuerst in Brooklyn, später in West Village NYC seinen Standort hat. Hier produziert Murphy besagte Six Finger Satellite, Trans Am und Speedking.

1999 kommt David Holmes nach West Village für die Produktion seines Album "Bow Down To The Exit Sign". Neben Holmes' Band, bestehend aus Jagz Kooner, Phil Mossman und Darren Morris, ist der Engländer Tim Goldsworthy (Mitgründer von UNKLE sowie des Londoner Labels Mo'Wax) mit von der Partie. Er und Murphy verstehen sich auf Anhieb und ziehen abends um die Bars und Clubs in New York. Ungefähr zur selben Zeit beginnt Murphy Club- und Dance-Musik für sich zu entdecken. Goldsworthy und Murphy schließen sich kurz darauf als Produzenten und Remixerteam DFA mit dem gleichnamigen Label zusammen. Eine, wie sich im Nachhinein herausstellt, folgenreiche Entscheidung für die von DFA protegierten Musiker: Bands wie The Rapture oder Radio 4.

Parallel zu ihren gemeinsamen Aktivitäten treibt Murphy sein Soloprojekt LCD Soundsystem voran und legt als DJ nicht nur auf den eigenen DFA-Partys auf. Mit dem mehr als tanzbaren Punk-Funk der LCD-Single "Losing My Edge" sowie deren B-Seite "Beat Connection" schlägt er groß ein, so dass der spätestens seit dem Erfolg von The Rapture mit "House Of Jealous Lovers" ausgelöste Medienrummel um DFA weiter anschwillt. Ob seine Musik als cool oder hip gilt, interessiert Murphy wenig. Er arbeitet in seinem Studio am gleichnamigen Debütalbum von LCD Soundsystem, das in der Besetzung aus Pat Mahoney am Schlagzeug, Sängerin und Keyboarderin Nancy Wang, Tyler Pope am Bass und Phil Mossman (Gitarre, Bass, Keyboards, Perkussion) auf der Bühne live umgesetzt wird und im Januar 2005 erscheint.