O
Band
Oceansize
1 Album
·
Ø meine Bewertung:
73 %
befriedigend
Biografie
Der Name weckt Assoziationen. Weite, Tiefe und Unfassbarkeit sind unmittelbar damit konnotiert. Und in der Tat: Selten harmonierten Subjekt und Objekt, Bandname und musikalisches Schaffen so perfekt miteinander wie im Fall Oceansize. Addiert man zu den Begriffen noch Progressivität, Emotionalität und Virtuosität hinzu, ergibt das die ontologische Quintessenz einer der innovativsten und zugleich meistunterschätzten Formationen unserer Tage.
Dem kurz nach dem Jahrtausendwechsel in Manchester gegründeten Fünfer in Schriftform gerecht zu werden, gleicht einer Formel mit drei Unbekannten. Mike Vennart (Gesang, Gitarre), Steve Durose (Gitarre, Gesang), Gambler (Gitarre), Mark Heron (Drums) und Jon Ellis (Bassist) legen mit ihrer Musik einen Katheter direkt ins Herz. Durose beschreibt den Entstehungsprozess wie folgt: "Wir werfen unsere Lieblingsplatten in einen großen Topf, rühren um, spucken rein - und heraus kommt ein wilder Bastard, der zum Glück mit keiner Zutat verwechselbar ist." Das Gemisch reißt mit, zerrt am Hörer, wirft ihm urgewaltige Schallwellen entgegen, zerlegt ihn in tausend Einzelteile - und baut ihn anschließend mit geradezu zärtlicher Hand Stück für Stück wieder auf.
Noch im Gründungsjahr entfalten die Effektpedal-Tausendsassa, die sich während des Studium kennen lernen, erstmals ihre Post-Progrock-Magie. Die Vinylsingle "Saturday Morning Breakfast Show" erscheint noch in Kleinstauflage, wenig später stehen die EPs "Amputee" (2000) und "A Very Still Movement" (2001) im Laden. Letztere beschert der Band Applaus von eher ungewöhnlicher Seite: Die Zeitung Manchester Evening News verleiht Oceansize den Titel "Manchester's Best Unsigned Band".
Mit den befreundeten The Cooper Temple Clause bereist das Quintett 2002 das Königreich. Ein Auftritt beim renommierten South By Southwest-Festival in Austin, Texas löst Begeisterungsstürme aus, die auch das Label Beggars Banquet Records erfassen. Oceansize unterschreiben den ersten Plattenvertrag und danken für das Vertrauen mit der "Relapse"-EP.
Nachdem eine weitere Single bzw. EP alle Musikkritiker der westlichen Hemisphäre vorgewarnt haben, gehen Vennart und Kollegen im September 2003 zum Frontalangriff über: Das Fulllength-Debüt Effloresce ("Erblühen") lässt Genremauern einstürzen. Und vollbringt gleich mehrere Großtaten. Erstens haben 75 Minuten Musik nie derart kurzweilig geklungen. Dafür tragen nicht nur die eingestreuten Instrumentalparts Sorge. Zweitens verzichtet die Band vollständig auf Anbiederei und verfolgt unbeirrt ihre ganz eigene Soundvision irgendwo zwischen Pink Floyd, The Cooper Temple Clause, Tool, Mogwai, Can und Tortoise. Drittens, ja drittens macht "Effloresce" einfach sprachlos. Löst Gänsehaut aus, betäubt die Ohren, schubst ins Delirium. Funkelt, kracht, zerbirst, lädt zum Versinken ein, rührt zu Tränen. Wenn Vennart im Achtminüter "Women Who Love Men Who Love Drugs" wie ein aufs Fleisch reduzierter Mike Patton zu surrealer Poetik Sehnsucht inszeniert, bluten Herzen aus.
Doch nicht nur auf CD sind Oceansize einzigartig. Die Tour mit den Lautleise-Filigranisten Aereogramme im Winter 2003 zeigt eindrucksvoll, was auf der Bühne mit vier (!) simultan gespielten Gitarren so alles angestellt werden kann. Im darauffolgenden Sommer beehren die Briten diverse europäische Festivals und verkürzen mit der "Music For Nurses"-EP die Wartezeit auf das neue Album. Die Scheibe enthält mit "One Out Of None" das bislang schonungsloseste und brachialste Stück der Band, während "Paper Champion" ihre atmosphärische Bodenlosigkeit in komprimierter Form abbildet.
Im Sommer 2005 lassen Oceansize vielerorts erneut Herzen höher und schneller schlagen: Ein neues Album kündigt sich an. Im September erscheint dann "Everyone Into Position" - und zeigt eine Band im Wandel. Nachdem das Quintett zunächst mit Schreibblockaden und den hohen Erwartungen, die "Effloresce" auslöste, zu kämpfen hatte, offenbart sich Platte Nummer zwei einerseits als konsequente Weiterführung des Post-Progrock-Ansatzes. Andererseits legt die Band noch einmal eine Schippe Druck nach. Mit "A Homage To A Shame", "No Tomorrow" und "You Can't Keep A Bad Man Down" enthält das Album drei Wall-Of-Sound-Brutalitäten der Extraklasse. Zehn hochklassige Stücke, die neuerdings auch prima für sich allein funktionieren. Welche Richtung Oceansize wohl als nächstes einschlagen werden? Klar ist nur eins: Stillstand kommt nicht in Frage.
Dem kurz nach dem Jahrtausendwechsel in Manchester gegründeten Fünfer in Schriftform gerecht zu werden, gleicht einer Formel mit drei Unbekannten. Mike Vennart (Gesang, Gitarre), Steve Durose (Gitarre, Gesang), Gambler (Gitarre), Mark Heron (Drums) und Jon Ellis (Bassist) legen mit ihrer Musik einen Katheter direkt ins Herz. Durose beschreibt den Entstehungsprozess wie folgt: "Wir werfen unsere Lieblingsplatten in einen großen Topf, rühren um, spucken rein - und heraus kommt ein wilder Bastard, der zum Glück mit keiner Zutat verwechselbar ist." Das Gemisch reißt mit, zerrt am Hörer, wirft ihm urgewaltige Schallwellen entgegen, zerlegt ihn in tausend Einzelteile - und baut ihn anschließend mit geradezu zärtlicher Hand Stück für Stück wieder auf.
Noch im Gründungsjahr entfalten die Effektpedal-Tausendsassa, die sich während des Studium kennen lernen, erstmals ihre Post-Progrock-Magie. Die Vinylsingle "Saturday Morning Breakfast Show" erscheint noch in Kleinstauflage, wenig später stehen die EPs "Amputee" (2000) und "A Very Still Movement" (2001) im Laden. Letztere beschert der Band Applaus von eher ungewöhnlicher Seite: Die Zeitung Manchester Evening News verleiht Oceansize den Titel "Manchester's Best Unsigned Band".
Mit den befreundeten The Cooper Temple Clause bereist das Quintett 2002 das Königreich. Ein Auftritt beim renommierten South By Southwest-Festival in Austin, Texas löst Begeisterungsstürme aus, die auch das Label Beggars Banquet Records erfassen. Oceansize unterschreiben den ersten Plattenvertrag und danken für das Vertrauen mit der "Relapse"-EP.
Nachdem eine weitere Single bzw. EP alle Musikkritiker der westlichen Hemisphäre vorgewarnt haben, gehen Vennart und Kollegen im September 2003 zum Frontalangriff über: Das Fulllength-Debüt Effloresce ("Erblühen") lässt Genremauern einstürzen. Und vollbringt gleich mehrere Großtaten. Erstens haben 75 Minuten Musik nie derart kurzweilig geklungen. Dafür tragen nicht nur die eingestreuten Instrumentalparts Sorge. Zweitens verzichtet die Band vollständig auf Anbiederei und verfolgt unbeirrt ihre ganz eigene Soundvision irgendwo zwischen Pink Floyd, The Cooper Temple Clause, Tool, Mogwai, Can und Tortoise. Drittens, ja drittens macht "Effloresce" einfach sprachlos. Löst Gänsehaut aus, betäubt die Ohren, schubst ins Delirium. Funkelt, kracht, zerbirst, lädt zum Versinken ein, rührt zu Tränen. Wenn Vennart im Achtminüter "Women Who Love Men Who Love Drugs" wie ein aufs Fleisch reduzierter Mike Patton zu surrealer Poetik Sehnsucht inszeniert, bluten Herzen aus.
Doch nicht nur auf CD sind Oceansize einzigartig. Die Tour mit den Lautleise-Filigranisten Aereogramme im Winter 2003 zeigt eindrucksvoll, was auf der Bühne mit vier (!) simultan gespielten Gitarren so alles angestellt werden kann. Im darauffolgenden Sommer beehren die Briten diverse europäische Festivals und verkürzen mit der "Music For Nurses"-EP die Wartezeit auf das neue Album. Die Scheibe enthält mit "One Out Of None" das bislang schonungsloseste und brachialste Stück der Band, während "Paper Champion" ihre atmosphärische Bodenlosigkeit in komprimierter Form abbildet.
Im Sommer 2005 lassen Oceansize vielerorts erneut Herzen höher und schneller schlagen: Ein neues Album kündigt sich an. Im September erscheint dann "Everyone Into Position" - und zeigt eine Band im Wandel. Nachdem das Quintett zunächst mit Schreibblockaden und den hohen Erwartungen, die "Effloresce" auslöste, zu kämpfen hatte, offenbart sich Platte Nummer zwei einerseits als konsequente Weiterführung des Post-Progrock-Ansatzes. Andererseits legt die Band noch einmal eine Schippe Druck nach. Mit "A Homage To A Shame", "No Tomorrow" und "You Can't Keep A Bad Man Down" enthält das Album drei Wall-Of-Sound-Brutalitäten der Extraklasse. Zehn hochklassige Stücke, die neuerdings auch prima für sich allein funktionieren. Welche Richtung Oceansize wohl als nächstes einschlagen werden? Klar ist nur eins: Stillstand kommt nicht in Frage.