Solo-Künstler
Sheryl Crow
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Biografie
Crow, Sheryl (voc, g), am 11. Februar 1962 in Kennett, Missouri, als Tochter eines Trompete spielenden Rechtsanwaltes und einer Big Band-Sängerin geboren, besang mit rauchiger Stimme die Lido-Tänzerin, die den Entschluß, Las Vegas zu verlassen, endlich wahr macht, den eindringlich seine Hilfe bei der musikalischen Karriere anbietenden Manager, der dafür sexuelle Gegenleistungen erwartet, und einen desillusionierten «William, Bill oder Billy, Mac oder Buddy», der «nur noch ein wenig Spaß haben will», aber stolz genug ist, auf «all die guten Menschen, die ihre Autos waschen» herabzusehen. Die elf Songs ihres 1993 veröffentlichten Debütalbums Tuesday Night Music Club brachten der Sängerin Top Ten-Notierungen, ausverkaufte Konzerte, die Anerkennung von Bob Dylan, Neil Young und Bruce Springsteen und 1995 schließlich vier Grammies ein. Crow, in einem politisch liberalen und musikalisch interessierten Elternhaus aufgewachsen, war nach einem kurzen Engagement in der heimatlichen Rockband Cashmere, einem Abstecher in die Niederungen von Werbe-Jingles und einem Musikstudium an der University of Missouri nach Los Angeles gegangen, um dort Musik zu machen. Da die Jobs zunächst ausblieben, verdingte sie sich als Klavierlehrerin und sang in der Band des Keyboard-Spielers Kevin Gilbert, Toy Matinee, Background. Als Michael Jackson für seine Bad-Tournee eine Background-Sängerin suchte, wurde Crow akzeptiert. Jackson-Manager Frank Dileo verpaßte ihr den Vornamen Shirley, ließ sie die Haare auftürmen und steckte sie in ein ihm passend erscheinendes Sex-Outfit. Nach 18 Monaten kehrte Crow desillusioniert nach Los Angeles zurück. Ihre Professionalität als Sängerin hatte sich aber herumgesprochen, Rod Stewart und Don Henley engagierten sie. Auch ihre Songs fanden Abnehmer, darunter Eric Clapton und Wynona Judd. Als sie für Vinx ebenfalls Background singen sollte, steckte sie dem Produzenten Hugh Padgham eines ihrer Demo-Bänder zu. Der Produzent von Police und Sting nahm das Band mit zu A_&_M, die der Sängerin einen Vertrag gaben und auch zu Crow standen, als sie und Padgham sich nicht einigen konnten. Auch mit dem zweiten Produzenten, Bill Bottrell, brachte Crow zunächst keine verwertbaren Aufnahmen zuwege. Erst als Bottrell auf Gilberts Vorschlag einging, die Sängerin mit ihrer gemeinsamen Feierabend-Band zusammenzubringen, ordneten sich die Ideen Crows. Die nach diesen nächtlichen Sessions Tuesday Night Music Club benannte Platte wurde innerhalb eines Jahres mehr als dreimillionenmal verkauft. Vor allem der genau beobachtete Song All I Wanna Do, der virtuos Folk-Gesang und Jazz-Elemente verband, zog das musikalisch kantige Album mit sich. Ihre Texte über das amerikanische Alltagsleben schienen manchen Zuhörern so realistisch, daß sie die Text-Figuren mit der Sängerin identifizierten. «Wenn alle Texte von mir handeln würden, dann wäre ich wohl eine betrunkene Prostituierte», distanzierte sich Crow, «aber ich erzähle nur Geschichten.» - «Die faltenfreie Bonnie Raitt, die Emmylou Harris mit Schweiß unter den Achseln» (?Rolling Stone? über Crow) verstärkte ihren Plattenerfolg durch monatelange Tourneen und beinahe ständige Medienpräsenz. Der Rummel verhinderte einen schnellen Anschluß an Tuesday Night Music Club: Die Aufnahmen zum Nachfolgealbum begannen erst Anfang 1995. Da sie sich mit den Musikern des Tuesday Night Music Club heillos zerstritten hatte, produzierte sie Sheryl Crow (1996) nach einem kurzen Versuch, wieder mit Bottrell zu arbeiten, selbst. Das Zerwürfnis mit den Musikern ihrer ersten LP warf ein fahles Licht auf die Sängerin: Gilbert, ihr zeitweiliger Lebensgefährte, verfiel nach der Trennung von Crow in tiefe Depressionen und kam unter seltsamen Umständen zu Tode. Er wurde am 18. Mai 1996 in seinem Apartment in Eagle Rock, Kalifornien, leblos aufgefunden; der Arzt gab «autoerotische Erstickung» als Todesursache an. Gitarrist Baerwald äußerte sich kritisch über Crow. Auch ihre Beziehung zu Eric Clapton, die über pure Kollegialität hinausgegangen war, zerbrach. Der Covertext ihrer LP Tuesday Night Music Club las sich danach wie eine Lüge. Die Anfeindungen gingen an Crow nicht spurlos vorüber: Auf dem Cover der LP wie auf begleitenden Pressefotos sah sie wie frisch verprügelt aus und gab sich in Interviews vorsichtig und mißtrauisch. «Es gibt eben Menschen», sagte sie über ihre ehemaligen Bandkollegen, «die wollen einfach unglücklich sein.» Der kommerzielle Erfolg blieb der Sängerin treu: Nun wieder mit TV-gerechtem Lockenkopf bedankte sie sich bei der Grammy-Verleihung 1997 für zwei Auszeichnungen. Die CD Sheryl Crow war nach Ansicht der Jury das «beste Rockalbum 1996», sie selbst besaß danach die «beste weibliche Rockstimme», gut genug, um den Titelsong für den James Bond-Streifen ?Tomorrow Never Knows? singen zu dürfen. Nach kontinuierlicher Konzerttätigkeit 1997 in Europa, überwiegend England, und Nordamerika entschloß sie sich Anfang 1998, in New York eine Wohnung zu nehmen: «Die Leute in L.A. reden nur darüber, wer in welchem Film spielt, wer mit wem schläft, wo die wichtigen Parties laufen. New York ist anders, individualistischer.» Im Januar durfte sie im Waldorf Astoria Fleetwood Mac in die Rock and Roll Hall of Fame einführen, im Februar Bob Dylan in der Radio City Music Hall seinen Grammy für das «Album des Jahres» (Time Out Of Mind) überreichen; im März sang sie beim sechsten ?Tibet House Benefit? in der Carnegie Hall, im April unter dem Titel ?One Amazing Night? bei einem Tribut-Konzert für Burt Bacharach im Hammerstein Ballroom. Doch vor allem: «Mein Studio liegt in einer schrägen Gegend. Es gibt dort Nutten, Transvestiten, Hell's Angels, viele Clubs, viel Kriminalität. Die enorme Energie dieser Nachbarschaft bietet mir Stoff für Songs.» Im Oktober 1998 erschien ihr Album The Globe Sessions mit fast ausschließlich autobiographischem Material voller Detailbeobachtungen - herausragend: There Goes My Neighborhood. Die CD wurde in England auf Platz zwei, in den USA auf Platz fünf notiert, brachte ihr sechs Grammy-Nominierungen und den Award für das «beste Rock-Album des Jahres» ein. Ihre große US-Frühjahrstournee 1999 begann im März im ?House of the Blues? in Las Vegas und endete im Mai beim Beale Street Music Festival in Memphis, stets mit Bodenberührung. Im Juni eröffnete sie vier Konzerte der Rolling Stones in Großbritannien. Dafür revanchierte sich Keith Richards als ihr Stargast beim Konzert am 14. September 1999 im New Yorker Central Park. Ansage Richards' vor dem Song Happy mit Chrissie Hynde als Background-Vokalistin: «It's great to be here, it's great to be anywhere.» Das Girl Trio Dixie Chicks begleitete Sheryl Crow bei der akustischen Ballade Strong Enough, Stevie Nicks übernahm die Lead Vocals beim Fleetwood Mac-Klassiker Gold Dust Woman, Sarah McLachlan bei The Difficult Kid, für einen Cream-Oldie kam Eric Clapton zum Duett mit Crow auf die Bühne, in der siebenminütigen Glanznummer Leaving Las Vegas erlebten die Sängerin und ihre Band - laut ?Rolling Stone? - «die Zeit ihres Lebens»: Tim Smith (g, bg), Mike Rowe (kb), Peter Stroud (g), Matt Brubeck (cello, b), Mary Rowell (vi), Jim Bogios (dr). Das Album Live From Central Park (1999) komprimierte das stargespickte Heimspiel der Wahl-New-Yorkerin vor 25000 Zuhörern, das vor Ort unter Regen und langen Werbepausen für die TV-Übertragung litt, auf 14 Songs nicht immer in der besten Tonqualität. But the feeling hits you! 2001 nahm sie mit dem Rechtsaußen des amerikanischen Rock, Kid Rock, den Song Picture für dessen Album Cocky auf. Ihr eigene CD C'mon C'mon (2002) kletterte auf Platz 2 der amerikanischen Album-Charts und war somit die bislang erfolgreichste in ihrer Laufbahn.