Band
The Cranberries
4 Alben
Biografie
1990 in Limerick, Irland, gegründet, der «größte Musikexport Irlands seit U 2» (?Rolling Stone?), war die Band von Dolores Mary Eileen O'Riordan. Die zierliche Sängerin, am 6. September 1971 in Ballybricken, Limerick, geboren, hatte schnell erkannt, daß die vormaligen Cranberry Saw Us zwar nicht «Musik nach meinem Geschmack machten, aber durchaus das Potential hatten, meinen Absichten gerecht zu werden». Mit zwölf hatte O'Riordan eigene Songs geschrieben. Als Niall Quinn, Sänger der Cranberry Saw Us, beschloß, seine Band zu verlassen, hatte er sich großmütig bereit gefunden, O'Riordan mit den drei verbliebenen Musikern Noel Hogan (g), am 25. Dezember 1971 in Moycross, Limerick, geboren, Mike Hogan (bg), am 29. April 1973 in Moycross geboren, und Fergal Lawler (dr), am 4. März 1971 in Parteen, Limerick, geboren, zusammenzubringen. Nach wenigen Wochen nahm das Quartett im heimischen Xeric-Studio unter der Leitung des Eigners Pearse Gilmore die ersten Demo-Bänder auf. Mehrere Labels waren interessiert, Island machte das Rennen. Die Produktion der EP Uncertain führte zum Zwist zwischen Gilmore und der Band, der sich noch verstärkte, als Gilmore die Musik der Cranberries mit Dance-Rhythmen und splitternden Gitarrenklängen unterlegen wollte. Nach den ersten Aufnahmen Anfang 1992 endete die Zusammenarbeit, man begann Mitte des Jahres mit dem Produzenten Stephen Street aufs neue. Als die LP Everybody Else Is Doing It, So Why Can't We? 1993 erschien, waren alle zwölf Songs überzeugend. Street hatte völlig auf O'Riordans Stimme gesetzt, sie mal mit akustischen Gitarren, mal mit Streichern unterstützt, stets darauf bedacht, die Folk-Wurzeln der Formation nicht zu verschütten. «Die traumhaften Melodien» (?Q?) rankten sich um die Erlebnisse einer jungen Frau zwischen Adoleszenz und Reife und hatten auf Anhieb Erfolg: The Cranberries wurden zeitweilig zu MTV-Lieblingen, die LP war in Europa wie in den USA in die Top Ten zahlloser Hitlisten aufgestiegen; nach knapp zwei Jahren waren mehr als drei Millionen Platten verkauft. Von Anfang an begleiteten aber auch Trennungsgerüchte die Band. Hier die zerbrechliche, schutzbedürftig wirkende O'Riordan mit der klaren, häufig umschlagenden Stimme, eine Art Sinéad O'Connor ohne neurotisches Erscheinungsbild, dort drei düstere Musiker, die der Sängerin nicht nur auf der Bühne das Feld zu überlassen schienen. O'Riordan wies Trennungsabsichten von sich: «Ich möchte kein Solist sein.» Die Folge-LP No Need To Argue (1994) unterschied sich trotz der cleveren Aufmachung, die Requisiten des ersten Albums wieder aufgriff, vom Debütalbum. In für Newcomer-Bands typischer Weise waren die Songs während der Tourneen zustande gekommen; die Themen stammten nicht mehr nur aus dem heimatlichen Lebensraum, sondern setzten sich aus Gehörtem, Gelesenem und Erlebtem zusammen. Der mitunter fast flüsternde Gesang, die häufigen Kostümwechsel O'Riordans wie ihre Fähigkeit, Stimmungen zu erzeugen, veranlaßten den ?New Musical Express? zu einer Eloge: «Nun hat sie die Wandlung von einer der scheuesten Frauen im Rock zu einem tasmanischen Teufel mit dem Selbstvertrauen von sieben Elefantenbullen vollzogen, und niemand kann sie aufhalten.» Für To The Faithful Departed (1996) hatte die Gruppe den Heavy Metal-Produzenten Bruce Fairbairn (AC/DC, Aerosmith) verpflichtet. Doch schien O'Riordan ihre Ansichten über die Cranberries-Musik durchgesetzt zu haben. ?Fachblatt Musik Magazin? bedauerte offensichtlich in der enttäuschten Hoffnung, Fairbairn möge den Songs klarere Rock-Konturen geben, daß «die Platte vor müder Melancholie strotzt, während Dolores im Andenken (von JFK über Kurt Cobain bis zu ihrem Großvater) ergriffen flötend ihre Powerstimme verschenkt». Die Band hatte mit dem Produzentenwechsel jedoch ganz andere Absichten verfolgt: «Ein Produzent sollte die Band inspirieren», sagte Dolores O'Riordan, «und das geschah mit Stephen (Street) nicht mehr. Wir wollten, daß es schön rauh und live klingt.» Das hieß aber noch lange nicht, daß sie sich von der Presse nachsagen ließ, bei einem Konzert in Hamburg ohne Unterwäsche aufgetreten zu sein. Das britische Blatt ?Daily Star? mußte sich mit einer Zahlung von 5000 Pfund an die Kinderhilfe Warchild für diese Ente öffentlich entschuldigen. Nach einer vorab annoncierten Auszeit, in der das Ehepaar Hogan in Limerick ein Restaurant eröffnete, Dolores O'Riordan und ihr Mann, Tournee-Manager Don Burton, einen Sohn bekamen, ging die Truppe bei der Verleihung des Friedensnobelpreises an die Iren John Hume und David Trimble im Dezember 1998 in Oslo erstmals seit September 1996 wieder auf die Bühne und wartete im April 1999 mit der CD Bury The Hatchet auf. Ihre weltweite Bilanz verzeichnete zu dieser Zeit 28 Millionen verkaufte CDs. An die «Millionenseller der Vergangenheit» erinnerte, so der ?Musikexpress?, im neuen Album «allenfalls noch die hymnisch durcharrangierte Single Promises». Kritiker Frank Sawatzki: «Die vier Bandmitglieder (Fußballfan, Rucksacktourist, Restaurantbesitzer und Mutter) verabschieden sich mit Bury The Hatchet vom Zentrum der Popmusik und schieben eine ruhige Kugel durch schützende Naturreservate. Hier wachsen noch Streicher an den Bäumen, hier veranstaltet die Volkshochschule Gitarrenkurse, und wenn man genau hinhört, erfährt man sogar, daß die heilige Dolores zurückgefunden hat zu ihren Animal Instincts.» Gerüchte um eine Solo-Karriere von Frau O'Riordan bestätigten sich nicht. Stattdessen legte die Band Wake Up And Smell The Coffee (2001) nach. Das Album war nach dem gewohnten Muster gestrickt, vermied jede auch nur vage Andeutung einer Überraschnung und versetzte die Cranberries-Fans weltweit in die gewohnte Verzückung.