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Band
Ton Steine Scherben
7 Alben
Biografie
Ton Steine Scherben wurde 1970 in West-Berlin von den Bandmitgliedern R.P.S. Lanrue (eigentlich Ralph Peter Steitz), Rio Reiser (eigentlich Ralph Moebius), Wolfgang Seidel und Kai Sichtermann gegründet, die damals alle jeweils ungefähr 20 Jahre alt waren. Der Name leitete sich angeblich aus dem Zitat ?Was ich fand, waren Ton, Steine, Scherben? des Troja-Entdeckers Heinrich Schliemann ab. Das war zumindest die Version, die Rio Reiser gerne erzählte. Im Buch ?Keine Macht für Niemand? erzählt der Bassist Kai Sichtermann die wahrscheinlichere Version, dass sich der Name bei einem Brainstorming aus dem Namen ?VEB Ton Steine Scherben? entwickelt hatte. Dieser Name war an den Namen der westdeutschen Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden angelehnt.
Größere Bekanntheit erlangten die Scherben am 6. September 1970, nachdem sie bei einem Rockfestival auf Fehmarn aufgetreten waren. Bei ihrem dritten Lied ?Macht kaputt, was euch kaputt macht? stand die Bühne, auf der kurz zuvor Jimi Hendrix sein letztes Konzert gegeben hatte, plötzlich in Flammen, so dass das Rockfestival abgebrochen werden musste. Auch wenn vermutlich nicht die Band für den Brand verantwortlich war, sondern zornige Tourhelfer anderer Bands, da sich die Veranstalter mit der Tageskasse aus dem Staub gemacht hatten, so erzählte man sich dennoch, die Scherben hätten die Bühne abgebrannt, was in der Szene Anerkennung fand. Schlagartig war ihr Name dort berühmt.
Die Musik der Band war stilbildend für die deutsche Rockmusik, den deutschsprachigen Punk und Teile der Neuen Deutschen Welle. Bei ihrem rockigen Stil hatte die Gruppe den Anspruch, ein neues Verständnis von Volksmusik zu kreieren - im Sinn einer eingängigen, verständlichen Musik für das im Widerspruch zu den ?Herrschenden? stehende ?Volk?, indem sozial relevante Themen des ?einfachen? Volkes, im engeren Sinn der aufbegehrenden damaligen Jugend, in einem Musikstil aufgegriffen wurden, der dieser Zeit angemessen schien. In diesem Zusammenhang hatten sie für die textlich-inhaltlich anspruchsvolle Rockmusik in Deutschland eine ähnlich prägende Bedeutung, wie dies - etwa sieben Jahre vor Gründung der ?Scherben? - in den USA für Bob Dylan und seinen nachfolgenden Einfluss auf die dortige gesellschaftskritische Folk- und Rockmusik der Fall war.
Einige Titel und Textpassagen der ?Scherben? sind bis in die Gegenwart bekannte Slogans der außerparlamentarischen linken und linksradikalen Szene, so zum Beispiel ?Keine Macht für Niemand?, ?Macht kaputt, was euch kaputt macht? und andere.
Die neue Band traf mit ihren hemmungslosen, rebellischen und radikalen Texten (zum Beispiel mit ihrer ersten Single ?Macht kaputt, was euch kaputt macht?) den Nerv einer Zeit, die im Zeichen der 68er-Bewegung und des gesellschaftlichen Aufbruchs stand. Ton Steine Scherben waren nach Ihre Kinder und noch vor Udo Lindenberg eine der ersten Rockmusikbands, die ausschließlich und von Anfang an deutsche Originaltexte sangen. Schon 1970 gründeten sie als erste ihr eigenes Label (David Volksmund Produktion), um ihre Veröffentlichungen unabhängig von der Plattenindustrie produzieren und vertreiben zu können. Damit hatten sie ein Höchstmaß an Freiheit, aber auch entsprechend geringen Profit, was trotz hoher Popularität zu permanenten finanziellen Problemen führte. In deutschsprachigen Radiosendern werden die Lieder der Band wegen ihres radikalen Rufes bis heute praktisch nicht gespielt, auch nicht die unpolitischen Stücke.
Die Bandgeschichte ist nicht nur von kommuneartigem Lebensstil, politischen Vereinnahmungen (die von der Band stets abgelehnt wurden) und privaten Auseinandersetzungen gekennzeichnet, sondern auch von stetem Wandel. Gekennzeichnet waren die Produktionen jedoch immer von Geradlinigkeit und Offenheit, die im Wesentlichen auf den Texten und dem charismatischen Gesang Reisers beruhten.
Anfang der 1970er Jahre waren die Scherben mit ihren revolutionären Texten, die versuchten, die proletarische Jugend anzusprechen, Identifikationsfigur für anarchistische und linksradikale Kreise (?Der Kampf geht weiter?, ?Die letzte Schlacht gewinnen wir?, ?Menschenjäger?). Mit ihrer Musik lieferten sie den Soundtrack zu Hausbesetzungen und Demonstrationen. Es gibt Gerüchte, wonach das Doppelalbum ?Keine Macht für niemand? von Geld aus Banküberfällen einer ?Revolutionären Zelle? finanziert worden sei. Musikalisch bevorzugte die Band einen harten und sparsam instrumentierten Rhythm?n?Blues, für den es den Namen Punk damals noch nicht gab.
1975 verließen die Scherben Berlin und ließen sich auf einem Bauernhof in Fresenhagen (Nordfriesland) nieder. Der Umzug war eine Flucht vor dem immer größer werdenden Druck, bei jeder radikalen Aktion in Berlin die Protagonistenrolle übernehmen zu müssen, und entsprang dem Wunsch nach größerer künstlerischer Freiheit. Mit der Doppel-LP ?Wenn die Nacht am Tiefsten ...? (1975) erfolgte eine Hinwendung zu lyrischeren, melancholischeren Texten und ausgefeilteren musikalischen Arrangements, die gekonnt Jazz- und Folk-Elemente aufgriffen. In politischer Hinsicht ist deutliche Desillusionierung erkennbar, was den ?Kampf? gegen das Establishment anbelangt. Diese mündete jedoch in den Glauben an eine Utopie, in der Liebe, Toleranz und Frieden herrschen. Kreativ hatte sich die Band von der radikalen Berliner Szene emanzipiert und wandte sich Ende der 1970er Jahre auch offen den Belangen der Schwulen-Bewegung zu.
Das Album ?IV? von 1981 lässt sich musikalisch nur schwer, am ehesten im Bereich eines unkonventionellen New Wave, einordnen. Rio Reiser übte sich in beeindruckend subtilen und psychedelischen Wortspielen, in denen ein politischer Bezug nur noch indirekt erkennbar ist (?Der Turm stürzt ein?, ?Jenseits von Eden?). Auf dieser Platte betätigten sich vermehrt auch die anderen Bandmitglieder und Freunde der Band als Texter und Komponisten. Dem Kollektiv Ton Steine Scherben gelang mit dieser Doppel-LP (22 Songs) musikalisch ein Prozeß der Reifung. Durch die Scherben-Biografie ?Keine Macht für Niemand? wurde bekannt, dass die Lieder auf der Grundlage des Tarot entstanden sind. Die Platte war im Original auf sehr schlechtem Vinyl gepresst und daher klanglich miserabel und bediente inhaltlich kaum die Erwartungen der Fans, sodass sie finanziell ein Flop wurde. Erst die Neuveröffentlichung Anfang der 90er auf CD bot einen brauchbaren Klang. Trotz allem beeindruckt "Die Schwarze", wie sie auch genannt wird, durch die Verarbeitung von Rock, Jazz, Klassik und Sound-Experimenten, sowie von ungeraden Rhythmen und offenen Akkordformen und muß als ein Meilenstein der deutschen Rockgeschichte bezeichnet werden.
1982 wurde die spätere Grünen-Politikerin Claudia Roth Managerin der Scherben.
Mit ihrer letzten Platte ?Scherben? von 1983 wandten sich die Scherben wieder einem erdigen Rock und deutlicheren Aussagen zu, die aktuelle Probleme (?Mole Hill Rockers? zum Thema Arbeitslosigkeit) aufgriffen.
Nach einer erfolgreichen Tour, von der postum zwei Live-Mitschnitte erschienen, lösten sich Ton Steine Scherben 1985 infolge kreativer Krisen und hoher Schulden, die die gesammte Band durch Lizenzverzicht abtrug, auf. Rio Reiser startete ab Mitte der 1980er Jahre seine höchst erfolgreiche Solokarriere. Die Band wollte nach eigenen Aussagen keine ?Musikbox? mehr sein, die auf Zuruf ihre ?Parolenhits? spielen sollte.
Wolfgang Seidel widmete sich nach dem Verlassen von Ton Steine Scherben der elektronischen Musik und arbeitete u.a. mit Conrad Schnitzler sowie Klaus Freudigmann zusammen, half aber auf Wunsch der Band gelegentlich als Schlagzeuger aus. Mitte der 1980er scheiterte die Veröffentlichung von Aufnahmen eines Coverbandprojektes ("Die Coverboys") Seidels mit Rio Reiser und diversen Ton Steine Scherben-Mitgliedern aufgrund vertraglicher Komplikationen.
Größere Bekanntheit erlangten die Scherben am 6. September 1970, nachdem sie bei einem Rockfestival auf Fehmarn aufgetreten waren. Bei ihrem dritten Lied ?Macht kaputt, was euch kaputt macht? stand die Bühne, auf der kurz zuvor Jimi Hendrix sein letztes Konzert gegeben hatte, plötzlich in Flammen, so dass das Rockfestival abgebrochen werden musste. Auch wenn vermutlich nicht die Band für den Brand verantwortlich war, sondern zornige Tourhelfer anderer Bands, da sich die Veranstalter mit der Tageskasse aus dem Staub gemacht hatten, so erzählte man sich dennoch, die Scherben hätten die Bühne abgebrannt, was in der Szene Anerkennung fand. Schlagartig war ihr Name dort berühmt.
Die Musik der Band war stilbildend für die deutsche Rockmusik, den deutschsprachigen Punk und Teile der Neuen Deutschen Welle. Bei ihrem rockigen Stil hatte die Gruppe den Anspruch, ein neues Verständnis von Volksmusik zu kreieren - im Sinn einer eingängigen, verständlichen Musik für das im Widerspruch zu den ?Herrschenden? stehende ?Volk?, indem sozial relevante Themen des ?einfachen? Volkes, im engeren Sinn der aufbegehrenden damaligen Jugend, in einem Musikstil aufgegriffen wurden, der dieser Zeit angemessen schien. In diesem Zusammenhang hatten sie für die textlich-inhaltlich anspruchsvolle Rockmusik in Deutschland eine ähnlich prägende Bedeutung, wie dies - etwa sieben Jahre vor Gründung der ?Scherben? - in den USA für Bob Dylan und seinen nachfolgenden Einfluss auf die dortige gesellschaftskritische Folk- und Rockmusik der Fall war.
Einige Titel und Textpassagen der ?Scherben? sind bis in die Gegenwart bekannte Slogans der außerparlamentarischen linken und linksradikalen Szene, so zum Beispiel ?Keine Macht für Niemand?, ?Macht kaputt, was euch kaputt macht? und andere.
Die neue Band traf mit ihren hemmungslosen, rebellischen und radikalen Texten (zum Beispiel mit ihrer ersten Single ?Macht kaputt, was euch kaputt macht?) den Nerv einer Zeit, die im Zeichen der 68er-Bewegung und des gesellschaftlichen Aufbruchs stand. Ton Steine Scherben waren nach Ihre Kinder und noch vor Udo Lindenberg eine der ersten Rockmusikbands, die ausschließlich und von Anfang an deutsche Originaltexte sangen. Schon 1970 gründeten sie als erste ihr eigenes Label (David Volksmund Produktion), um ihre Veröffentlichungen unabhängig von der Plattenindustrie produzieren und vertreiben zu können. Damit hatten sie ein Höchstmaß an Freiheit, aber auch entsprechend geringen Profit, was trotz hoher Popularität zu permanenten finanziellen Problemen führte. In deutschsprachigen Radiosendern werden die Lieder der Band wegen ihres radikalen Rufes bis heute praktisch nicht gespielt, auch nicht die unpolitischen Stücke.
Die Bandgeschichte ist nicht nur von kommuneartigem Lebensstil, politischen Vereinnahmungen (die von der Band stets abgelehnt wurden) und privaten Auseinandersetzungen gekennzeichnet, sondern auch von stetem Wandel. Gekennzeichnet waren die Produktionen jedoch immer von Geradlinigkeit und Offenheit, die im Wesentlichen auf den Texten und dem charismatischen Gesang Reisers beruhten.
Anfang der 1970er Jahre waren die Scherben mit ihren revolutionären Texten, die versuchten, die proletarische Jugend anzusprechen, Identifikationsfigur für anarchistische und linksradikale Kreise (?Der Kampf geht weiter?, ?Die letzte Schlacht gewinnen wir?, ?Menschenjäger?). Mit ihrer Musik lieferten sie den Soundtrack zu Hausbesetzungen und Demonstrationen. Es gibt Gerüchte, wonach das Doppelalbum ?Keine Macht für niemand? von Geld aus Banküberfällen einer ?Revolutionären Zelle? finanziert worden sei. Musikalisch bevorzugte die Band einen harten und sparsam instrumentierten Rhythm?n?Blues, für den es den Namen Punk damals noch nicht gab.
1975 verließen die Scherben Berlin und ließen sich auf einem Bauernhof in Fresenhagen (Nordfriesland) nieder. Der Umzug war eine Flucht vor dem immer größer werdenden Druck, bei jeder radikalen Aktion in Berlin die Protagonistenrolle übernehmen zu müssen, und entsprang dem Wunsch nach größerer künstlerischer Freiheit. Mit der Doppel-LP ?Wenn die Nacht am Tiefsten ...? (1975) erfolgte eine Hinwendung zu lyrischeren, melancholischeren Texten und ausgefeilteren musikalischen Arrangements, die gekonnt Jazz- und Folk-Elemente aufgriffen. In politischer Hinsicht ist deutliche Desillusionierung erkennbar, was den ?Kampf? gegen das Establishment anbelangt. Diese mündete jedoch in den Glauben an eine Utopie, in der Liebe, Toleranz und Frieden herrschen. Kreativ hatte sich die Band von der radikalen Berliner Szene emanzipiert und wandte sich Ende der 1970er Jahre auch offen den Belangen der Schwulen-Bewegung zu.
Das Album ?IV? von 1981 lässt sich musikalisch nur schwer, am ehesten im Bereich eines unkonventionellen New Wave, einordnen. Rio Reiser übte sich in beeindruckend subtilen und psychedelischen Wortspielen, in denen ein politischer Bezug nur noch indirekt erkennbar ist (?Der Turm stürzt ein?, ?Jenseits von Eden?). Auf dieser Platte betätigten sich vermehrt auch die anderen Bandmitglieder und Freunde der Band als Texter und Komponisten. Dem Kollektiv Ton Steine Scherben gelang mit dieser Doppel-LP (22 Songs) musikalisch ein Prozeß der Reifung. Durch die Scherben-Biografie ?Keine Macht für Niemand? wurde bekannt, dass die Lieder auf der Grundlage des Tarot entstanden sind. Die Platte war im Original auf sehr schlechtem Vinyl gepresst und daher klanglich miserabel und bediente inhaltlich kaum die Erwartungen der Fans, sodass sie finanziell ein Flop wurde. Erst die Neuveröffentlichung Anfang der 90er auf CD bot einen brauchbaren Klang. Trotz allem beeindruckt "Die Schwarze", wie sie auch genannt wird, durch die Verarbeitung von Rock, Jazz, Klassik und Sound-Experimenten, sowie von ungeraden Rhythmen und offenen Akkordformen und muß als ein Meilenstein der deutschen Rockgeschichte bezeichnet werden.
1982 wurde die spätere Grünen-Politikerin Claudia Roth Managerin der Scherben.
Mit ihrer letzten Platte ?Scherben? von 1983 wandten sich die Scherben wieder einem erdigen Rock und deutlicheren Aussagen zu, die aktuelle Probleme (?Mole Hill Rockers? zum Thema Arbeitslosigkeit) aufgriffen.
Nach einer erfolgreichen Tour, von der postum zwei Live-Mitschnitte erschienen, lösten sich Ton Steine Scherben 1985 infolge kreativer Krisen und hoher Schulden, die die gesammte Band durch Lizenzverzicht abtrug, auf. Rio Reiser startete ab Mitte der 1980er Jahre seine höchst erfolgreiche Solokarriere. Die Band wollte nach eigenen Aussagen keine ?Musikbox? mehr sein, die auf Zuruf ihre ?Parolenhits? spielen sollte.
Wolfgang Seidel widmete sich nach dem Verlassen von Ton Steine Scherben der elektronischen Musik und arbeitete u.a. mit Conrad Schnitzler sowie Klaus Freudigmann zusammen, half aber auf Wunsch der Band gelegentlich als Schlagzeuger aus. Mitte der 1980er scheiterte die Veröffentlichung von Aufnahmen eines Coverbandprojektes ("Die Coverboys") Seidels mit Rio Reiser und diversen Ton Steine Scherben-Mitgliedern aufgrund vertraglicher Komplikationen.