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Solo-Künstler

Tori Amos

USA seit 1963 Website
8 Alben · Ø meine Bewertung: 74 % befriedigend
Biografie
Tori Amos [ˈtɔːɹi ˈeɪməs] (* 22. August 1963 als Myra Ellen Amos in Newton, North Carolina) ist eine US-amerikanische Sängerin und Songschreiberin. Tori Amos verwendet als eine der wenigen populären Musiker ein Klavier als Hauptinstrument. Bekanntheit erlangte sie seit den frühen 1990er Jahren vor allem durch ihre lyrischen und gefühlsbetonten Texte.

Kindheit
Tori Amos

Tori Amos ist das dritte Kind von Mary Ellen und Edison Amos. Trotz der konservativ-christlichen Erziehung durch ihre Eltern (ihr Vater ist Methodisten-Pfarrer) fühlte sie sich spirituell mehr ihrem indianischen Großvater mütterlicherseits verbunden und ist praktizierende Anhängerin indianischer Cherokee-Traditionen.

Bereits mit zweieinhalb Jahren begann Tori Amos Klavier zu spielen; wie es heißt, mit Telefonbüchern auf dem Klavierstuhl. Mit fünf erhielt sie ein Stipendium für das renommierte Peabody-Konservatorium für Musik, an dem sie bis heute die jüngste Teilnehmerin war. Sie wurde dort in klassischem Gesang und Klavier ausgebildet und strebte eine Karriere als Konzertpianistin an. Allerdings bestand sie darauf, Musik zu „hören“ und nicht Musik zu „lesen“. Diese Einstellung führte schließlich zur Beendigung ihres Stipendiums, als sie elf Jahre alt war. Sie widmete sich lieber der vergleichsweise rebellischen Musik von The Beatles, Jimi Hendrix und Led Zeppelin. Mit 13 Jahren bekam sie ihren ersten Job als Pianistin in der Schwulenbar Mr. Henry's in Georgetown. Die nächsten 13 Jahre verbrachte sie musikalisch mit dem Spielen in Nachtclubs, wobei sie die ersten Jahre von ihrem Vater als Aufpasser begleitet wurde.

Erstes Album

Nach Jahren erfolgloser Demo-Bänder beschloss sie im September 1984, nach Los Angeles zu ziehen, um ihre Karriere zu beschleunigen. 1985 gründete sie die Gruppe Y Kant Tori Read, gemeinsam mit dem Schlagzeuger Matt Sorum, die bis 1987 existieren sollte. Ihre Bemühungen, nicht als Pianobar-Mädchen zu enden, sind schließlich mit einem Plattenvertrag bei Atlantic Records im Jahre 1986 erfolgreich. Unter dem Namen Y Kant Tori Read wurde das gleichnamige Album 1988 veröffentlicht. Die Marktstrategie machte aus ihr ein „Rockluder“ à la Joan Jett oder Pat Benatar, und Präsentation wie Musik hatten wenig mit der späteren Tori Amos gemeinsam. Y Kant Tori Read war ein totaler Flop (7.000 verkaufte Exemplare), und die Plattenfirma verlor trotz Vertrags vorerst das Interesse an ihr. Exemplare von Y Kant Tori Read liegen heute im zweistelligen Preisbereich, teilweise erreichen sie annähernd die 100-Euro-Marke.

Erste Erfolge: die 1990er-Jahre

Ohne offenkundige musikalische Perspektive fand sie jetzt den Mut, introspektive Lieder zu schreiben, und besorgte sich wieder ein Klavier. Ihre neuen, sehr klavierlastigen Lieder fanden bei den Labelmanagern zunächst keinen Anklang. Dank ihrer immensen Bühnenerfahrung beschloss die Plattenfirma, sie nach England zu schicken, um zu sehen, ob ihre neuen Lieder beim Publikum eine Chance hätten. Im Februar 1991 begann sie in England mit ihren für sie typischen, nur vom Klavier begleiteten Solo-Auftritten. Tori gewann nach und nach ein Publikum, und das East West Records Label begann daraufhin mit der Vermarktung der „authentischen“ Tori Amos. Der Song Me and a Gun, die musikalische Verarbeitung ihrer eigenen Vergewaltigung[2], eine schlichte A-cappella-Aufnahme ohne jegliche Instrumentalbegleitung, die sie in der U-Bahn auf dem Weg zu einem ihrer Auftritte schrieb und noch am selben Abend aufführte, war die erste Veröffentlichung unter dem Namen Tori Amos (1991, UK). Erstaunlicherweise sollte dieses schwer verdauliche Werk auch ihr erster Chart-Erfolg werden. Es folgte die Veröffentlichung von Silent All These Years in Großbritannien (1991).

Der zweite Hitparaden-Erfolg brachte Tori Amos in einer großangelegten Werbekampagne zurück in die USA, um 1992 ihr Debütalbum Little Earthquakes zu präsentieren. Dieses Album war nicht nur ein großer kommerzieller Erfolg, sondern wurde auch von den Kritikern als herausragendes Singer-Songwriter-Werk gefeiert.

Das folgende Werk Under the Pink erschien 1994, konnte den kommerziellen Erfolg von Little Earthquakes noch übertreffen und brachte ihr mit der Auskopplung Cornflake Girl einen Top-Ten-Hit ein (UK, 1994). Dieses Album co-produzierte sie mit Eric Rosse in der Wüste von New Mexico, geschrieben wurde es jedoch größtenteils in London. Für ihr Debüt Little Earthquakes fand Amos Inspiration in ihrem eigenen Leben, doch dieses Mal suchte sie bei anderen Personen. Das Werk wurde ein Spiegelbild der Weiblichkeit und reflektierte beispielsweise das Leben der russischen Prinzessin Anastasia, der Schriftstellerin Alice Walker sowie der Künstlerin Georgia O’Keeffe. Zum ersten Mal kommt hier der für sie charakteristische Bösendorfer-Flügel zum Einsatz, der ihre Karriere bis heute begleitet. Wie bei dem Vorgänger gab es auch bei diesem Album schwerwiegende Konflikte mit der Plattenfirma; Amos drohte sogar damit, sämtliche Mastertapes zu vernichten. Grund dafür war, dass die minimalistischen Lieder nicht sonderlich massenkompatibel waren.

Amos war 1994 Mitbegründerin von RAINN (Rape, Abuse and Incest National Network), der bis heute einzigen amerikaweiten kostenlosen Notrufhotline für Vergewaltigungsopfer (insbesondere für Frauen und Kinder).

Mit dem 1996er Album Boys for Pele durchbrach sie das Dogma von der reinen Klavierspielerin und spielte von nun an auch Orgel und Cembalo auf der Bühne. Es wurde weitestgehend durch die Trennung von Erick Rosse beeinflusst. (Amos und Rosse trennten sich nach einer siebenjährigen Beziehung. Sie waren sowohl Lebenspartner als auch Arbeitskollegen, da Rosse als ihr Co-Produzent fungierte.) Aufgenommen wurde das Album in einer Kirche in Neu-Mexico und charakterisiert sich durch einen düsteren Klang und die sehr kryptisch wirkenden Texte – es gilt bis heute als Amos' unzugänglichstes Werk. Von Kritikern wurde das Album, welches sich in einer novellenartigen Form präsentiert, gleichermaßen gelobt wie abgelehnt. Rechtzeitig für die renommierte „MTV-Unplugged“-Serie arbeitete sie wieder mit dem langjährigen Freund Steve Caton (Gitarrist bei Y Kant Tori Read) zusammen und trat erstmals als Tori Amos „Plugged“ auf. Der kommerzielle Erfolg von Boys For Pele hielt sich bis auf den House-Remix von Professional Widow (angefertigt von Armand Van Helden) vorerst in Grenzen, doch sollte sie gerade mit diesem kompromisslosen Album einen weiteren Grundstein für ihren Erfolg legen. Von dem Skandal, den sie 1996 durch ein Foto von einem Ferkel an ihrer nackten Brust auslöste, bekam man in Deutschland wenig mit.

Eine zweite Fehlgeburt ließ sie 1998 depressiv werden. Musikalisch machte sich dies auf dem Album From the Choirgirl Hotel deutlich bemerkbar; es kann wohl als ihr düsterstes Werk gelten. Sie heiratete am 22. Februar 1998 ihren Toningenieur Mark Hawley, der seit 1994 für den guten Ton bei ihren Konzerten verantwortlich ist. Nun trat sie nicht nur mit Band an (John Evans (Bass), Steve Caton (Gitarre), Matt Chamberlain (Schlagzeug)), sondern spielte auch noch Synthesizer und Klavier (teils gleichzeitig). Begleitet von aufwendigen Lichteffekten glichen ihre Konzerte nun eher konventionellen Rockkonzerten. Das 1999 erschienene Live/Studio-Album To Venus and Back zeugt von dieser Zeit.

Seit einem Zerwürfnis im Jahre 1998 war Tori Amos bestrebt, ihre Plattenfirma Atlantic Records zu verlassen. Ihr erklärter Wille, bei Atlantic keine neuen Stücke zu veröffentlichen, mündete schließlich in dem Konzeptalbum Strange Little Girls. Mit diesem ausschließlich aus Coverversionen bestehenden Album erfüllte sie schließlich ihren Vertrag und wechselte zu Epic Records. In Strange Little Girls geht es thematisch um Lieder, die von Männern über Frauen geschrieben werden. Tori Amos nimmt dabei die Position der jeweils besungenen Frau ein. Die einzige Single Strange Little Girl wurde aufgrund eines Urheberrechtstreits bezüglich der CD-Hülle wieder vom Markt genommen. Auffällig ist das Fehlen ihres langjährigen Gitarristen Steve Caton, der für die Studioaufnahmen durch den King-Crimson-Gitarristen Adrian Belew ersetzt wurde.

Nach 2000
Unter dem Einfluss der Terroranschläge am 11. September 2001 entstand ihr Album Scarlet’s Walk. Erstmals geht es dabei weniger um ihre eigenen als um die Gefühle anderer Menschen. Thematisiert wird die fiktive Person „Scarlet“ und ihre Reise durch die Vereinigten Staaten. Scarlet’s Walk erweist sich als zugänglicher als die beiden vorangegangenen Alben und konnte mit A Sorta Fairytale auch wieder einen Radio-Hit in den Vereinigten Staaten vorweisen.

Die Veränderung in Toris Leben durch die Geburt ihrer Tochter Natashya Lórien (* 5. September 2000) spiegelt sich auch in ihrer Musik wider. Sie gibt selber an, sich durch ihr Muttersein verändert zu haben. Im Jahr 2004 erschien das Abschlusskonzert ihrer bislang längsten Tournee als DVD (Welcome to Sunny Florida) mit einer Sammlung ruhiger Songs als Bonus-CD (Scarlet’s Hidden Treasures). Im Februar 2005 sind sowohl ihr neues Album (The Beekeeper) wie auch ihr erstes Buch (Piece by Piece) erschienen.

Im Dezember 2005 erschienen sechs Live-Alben als Compilation unter dem Titel The Original Bootlegs. Es handelt sich dabei um jeweils auch einzeln erhältliche Doppel-CDs mit Mitschnitten von Konzerten in Chicago, Los Angeles, Denver, Manchester, London und Boston 2005. Sie enthalten auch einige bis dahin von Tori unveröffentlichte Coverversionen (u. a. Livin’ on a Prayer von Bon Jovi, Dream On von Aerosmith, I Ran von A Flock of Seagulls und Like a Prayer von Madonna).

Im September 2006 erschien mit A Piano: The Collection (auf 5 CDs) eine Sammlung ihrer bekanntesten Stücke zusammen mit B-Seiten und bisher unveröffentlichten Songs. Darin sind alle Alben von 1992 bis 2005 enthalten.

Am 27. April 2007 erschien mit American Doll Posse ein neues Studioalbum mit 23 neuen Songs. Auf diesem Album schlüpft Amos in fünf verschiedene Frauenfiguren: Sie singt als „Tori“, als „Isabel“, als „Clyde“, als „Pip“ und als „Santa“.

2008 erschien ein von Tori Amos initiierter Comic-Band, Comic Book Tattoo, Vol. 1. In diesem Buch beschäftigen sich verschiedene Comic-Autoren mit Toris Songs. Das Buch besteht aus zahlreichen illustrierten Kurzgeschichten. Tori Amos selbst steuerte ein Vorwort bei.

Im Mai 2009 erschien das Album Abnormally Attracted to Sin. Es behandelt die Definition von „Sünde“ und wie diese oft missbraucht wurde, um Menschen, besonders Frauen, zu unterdrücken. Begleitend zu dem Album erschienen 18 "Visualettes" – Musikvideos zu den Songs, welche dem Hörer näherbringen sollen, wovon das jeweilige Lied handelt. Aufgenommen wurden diese Visualettes während der 2007er American Doll Posse Tour.

Am 27. November 2009 erschien Tori Amos' Weihnachtsalbum mit dem Titel Midwinter Graces. Dieses soll, so Amos, nicht als klassisches Weihnachtsalbum gesehen werden, da es nicht nur die christliche Mythologie behandelt, sondern versucht, alle religiösen Mythologien mit einzubeziehen. Daher bezeichnet sie es auch eher als Sonnwenden- oder Winteralbum. Das Album erschien als normale Ausgabe und als Special Edition. Letztere enthält eine DVD mit einem etwa 30-minütigen Interview, in dem Tori Amos das Konzept von Midwinter Graces näher erklärt.

Am 16. September 2011 erschien Toris Album Night Of Hunters, diesmal beim Label Deutsche Grammophon. Das Album besteht aus 14 Stücken, deren Melodie sich jeweils an ein klassisches Werk anlehnt. In vier Songs singt Tori im Dialog mit ihrer Tochter Natashya Hawley, die zum Zeitpunkt der Aufnahmen 10 Jahre alt war. Natashya übernimmt die Rolle der "Göttin Anabelle", die das Album konzeptionell zusammen hält, und ist auch im Booklet der Deluxe-Ausgabe immer wieder neben Tori zu sehen. Auch im Video zur ersten Auskopplung "Nautical Twilight" treten Tori und Natashya gemeinsam auf.

Songs und Fangemeinde

Inhaltlich variabel, behandelt sie gerne Themen wie Sexualität, Religion, Patriarchat und persönliche Schicksalsschläge. Einfluss auf Tori Amos hatten Musiker wie Laura Nyro, Leonard Cohen, Kate Bush, Joni Mitchell, Carole King und ihr Jugendidol Robert Plant. Obwohl sie eher wenig mit anderen Künstlern gemeinsam auf der Bühne steht, fand eine kurze musikalische Zusammenarbeit mit Trent Reznor (Er sang die Background-Vocal für den Song "Past The Mission" ein), Maynard James Keenan, Michael Stipe sowie Robert Plant statt.

Sie hat weltweit eine große Fangemeinde, der sie (Ende 2005) zwölf Millionen verkaufte Tonträger verdankt. In den Singlecharts ist sie eher selten zu finden, erfolgreicher sind ihre Alben. Zu ihren Markenzeichen gehören neben ihrer Stimme auch ihre zwei Bösendorfer-Flügel (einer für Live-Auftritte, der andere fürs Studio) sowie eine Vorliebe für High-Heels. Ausgefallene und mitunter derbe und provozierende Auftritte während Interviews verhalfen ihr zu dem Ruf, eine Exzentrikerin zu sein.