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Cover: Aerial
Pop/Rock

Aerial

Kate Bush

2005 EMI Record (EMI) 15 Titel
In meiner Sammlung CD DIGITAL
Presse
81%
gut gewichtet · 8 Kritiken

Gewichtet: beste und schlechteste Kritik weggelassen. Ungewichtet 81 %.

Meine Bewertung
90%
sehr gut
Kommentar
Nach zwölf Jahren Plattenpause traut sich Kate Bush wieder - und wie! Mit Aerial, einem Doppelalbum und der siebenten Studio-LP ihrer fast 30-jährigen Karriere, zeigt die eigensinnige Engländerin, warum sie als die „erste Elfe der Popmusik“ ganze Legionen nachfolgender Sängerinnen bis auf den heutigen Tag nachhaltig beeinflusst hat. Als eine der ersten setzte sie fast nur auf das exzessive Experiment mit ihrer Stimme, überflügelte rockgeprägte Gesanghöhen und durchbrach konventionelle Songarrangements. Diese Freiheit gönnt sie sich nun gleich doppelt.

Der Albumtitel Aerial ist programmatisch - schon immer stand ihr Gesang für das Luftige, Fliegende, Ätherische.

Genau das bestimmt sowohl die erste CD mit sieben, eher konventionell komponierten Songs, als auch die zweite, die wieder einmal ein Songzyklus, oder besser gesagt, eine Art Konzeptalbum im besten Sinne des altmodischen Begriffs ist. Beide heben sich erstaunlich frisch von marktstrategischer Trendware ab, sind allenfalls im positiven Sinne „altmodisch“, weil authentisch und abenteuerlustig. Das gilt übrigens auch für alle Texte. Hier zeigt sich Kate Bush, der man musikalisch gesehen vor allem Romantisches unterschieben würde, erstaunlich findig. Der kraftvolle Rocker „King Of The Mountain“, zurecht die erste Single, handelt zwar von Elvis Presley, dem Ruhm und wie es da ganz oben aussieht, aber danach macht sie einen intellektuellen Exkurs durch Themen, die allenfalls David Byrne in eingängige Songs kleiden kann. Ob nun der traumhafte Trance über einen Zahlenfetischisten, der schon irreal-groteske Haushaltssong am Mollpiano „Mrs. Bartolozzi“ mit dem endlos-inbrünstigen Refrain über die „Waschmaschine“, ihre Gedanken über das Unsichtbarwerden zu tockernden Basslinien auf „How To Be Invisible“ oder ganz abgehoben, versponnen „Joanni“, eine literarische Hommage an Jean D‘Arc - Kate Bush enthuscht der Pop- und Rockrealität auf ihre vielschichtige Weise. Für ihren Sohn „Bertie“ hat sie folglich auch ein mittelalterliches Menuett mit Minnegesang komponiert, und Katastrophen wie die Zerstörung der Twin Towers in New York verschwinden bei ihr ganz sakral im „A Coral Room“.

Nach CD 1, genannt „A Sea Of Honey“, gönnt sich Kate Bush also mit CD 1 „A Sky Of Honey“ einen musikalischen Spaziergang durch einen Tag, auf dem sie alle wunderlichen bis wunderbaren Klangbilder zusammenfasst, die man seit Konzeptalben der Pink Floyd, Genesis und Peter Gabriel kennt. Natürlich auch mit den modernsten Mitteln der Elektronik. Hat man sich auf dieses Opus eingelassen, taucht man in ihre bildhaften Arrangements aus Originalgeräuschen, verfremdeten Stimmen, wechselnden Stimmungen und Stilen vom Flamenco bis zur schwebend-leichten Orientalik ein. Leichtfüßig bis hochdramatisch, exaltiert und transzendent. Wir haben gerne zwölf Jahre gewartet.

Das Enigma spricht, 84 Minuten lang, nach 12 Jahren Pause. Kate Bush, inzwischen 47 und die größte britische Popkünstlerin aller Zeiten, lässt uns teilhaben an mehr als dekadenlanger Arbeit. Und man wird eine Weile brauchen, um dieses konzeptuell zweitgeteilte Doppelalbum zu verdauen. Denn auch eine wie sie spürt den Druck, ihren Status bestätigen zu müssen. Sie tut das stilistisch breit, sie tut es elektronisch, pianesk, folkig; manchmal sogar alles davon auf einmal. Kate Bush will packen, überzeugen, beeindrucken; sie will, dass wir Aufgaben lösen und Hürden überwinden. Dafür verzichtet sie auf vokale Eskapaden, steckt alle Virtuosität in den Aufbau der Kompositionen, und kaum eine folgt einem klassischen Schema. Es sind kleine bis große Epen voller Dramatik und Spannung, durchpulst von Piano-Hammerschlägen, geweitet von synthetischer Sinfonik, rhythmisiert von Beats zwischen tribal und tanzbar. „Räumliche und akustische Musik - plus eine Menge Drums", sagt sie. Plus einer unschönen esoterischen Grundierung, muss man ergänzen. Denn an diesem Album haben Ornithologen die meiste Freude. Kate Bush zwitschert mit den Vögeln, wir hören Käuzchen, Amseln, wir werden gefüttert mit einer seltsam gestrigen Naturmystik. Und sind wie befreit, wenn wir uns einem ätherischen Loungepop-Song wie „Nocturn" hingeben dürfen, der über achteinhalb Minuten einen Hypnotiseur arbeitslos macht. Doch nicht er darf die Single sein und (natürlich) auch nicht das in seiner folkloristischen Strenge an Hofmusik erinnernde „Bertie" (gewidmet ihrem Sohn), sondern das auf leisen Sohlen daherkommende „King of the Mountain". Synthiestreicher planieren eine Ebene, in die TripDub-Drums dann Monolithen rammen dürfen. Mit seiner linearen Steigerung, seinen sich immer höher stapelnden Klangschichten ist der Song eine gewagte Single. Aber das gehört zum Status der größten britischen Künstlerin aller Zeiten nun mal dazu: Es einem nicht leicht zu machen. Und genau das macht „Aerial" immens nachhaltig. Für weitere 12 Jahre Pause wird es dennoch nicht reichen.
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Titelliste

Tracks

  1. 1 King Of The Mountain
  2. 2 Bertie
  3. 3 Mrs. Bartolozzi
  4. 4 How To Be Invisible
  5. 5 Joanni
  6. 6 A Coral Room
  7. 7 Prelude
  8. 8 Prologue
  9. 9 An Architect's Dream
  10. 10 The Painter's Link
  11. 11 Sunset
  12. 12 Aerial Tal
  13. 13 Somewhere In Between
  14. 14 Nocturn
  15. 15 Aerial