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Solo-Künstler
Kate Bush
3 Alben
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84 %
gut
Biografie
Bush, Catherine Kate (voc, kb), am 30. Juli 1958 als Tochter eines Landarztes in Bexleyheath, Kent, geboren, lotete mit bestürzender Poesie und aberwitzigen Song-Arrangements Abgründe von Horror in den Beziehungen zwischen den Geschlechtern aus, ließ geheime Ängste und versteckte Sehnsüchte in akustischen Hologrammen peinigend plastisch werden und schilderte in bisweilen verquälter Romantik die Wirrungen einer forschenden Seele auf der Suche nach Vollkommenheit. Als Vorlage für ihren ersten Hit Wuthering Heights (1978) diente ihr Emily Brontës Roman der schwärmerisch-verhängnisvollen Liebe zwischen Heathcliff und Cathy. Die Horrorstories von Stephen King und Odysseen im Schneideraum à la Werner Herzog, Stanley Kubrick inspirierten sie zu weiteren bizarren Songwerken. Als Sirene und Elfe zugleich schrillte sie im Trickstudio ihre Vier-Oktaven-Stimme zu obstrusen Chören auf, die unerwartet die Lead-Stimme verdrängten, spielte in raffinierter Manier Harmoniebrüche und Oktavsprünge gegeneinander aus, schichtete raunende, jaulende Klangkulissen auf, die unvermittelt zu Rhythmusinstrumenten mutierten, in Hallschächte fielen oder in dumpfen Echotunneln verröchelten. «Wie ein menschlicher Synthesizer» (?Village Voice?) trieb «die ungewöhnlichste Solo-Künstlerin, die England jemals hervorgebracht hat» (?New Musical Express?) ihre vokalen Exerzitien, in perfekter Übereinstimmung mit ihrem Fairlight-Musik-Computer, der Geräusch-Schnipsel aus der realen Welt zu beunruhigenden Chiffren eines Hard Rock-Anti-Universums wandeln konnte. Auf Vermittlung des mit der Familie Bush befreundeten Pink Floyd-Gitarristen David Gilmour erhielt die wunderliche Musterschülerin (Lieblingsfach: Latein) mit 16 Jahren einen EMI-Kontrakt, der ihr gestattete, drei Jahre lang auf Kosten der Plattenfirma zu komponieren, Sprechunterricht zu nehmen sowie Tanz und Mimik zu studieren. Auf ihrer ersten LP The Kick Inside (1978) ließ sie erotische Phantasien um ein Saxophon kreisen, beklagte eine inzestuöse Liebe, die in Selbstmord endete, bot sich wie eine Punk-Lolita lustvoll an und verlor sich auf weiteren Platten zwischen altmodischer Jungmädchen-Verspieltheit und etwas antiquierter Hippie-Attitüde. Die Exzentrik des Repertoires spiegelte sich auch im Showgebaren: Sie verweigerte sich dem Tournee-Business, ließ sich von ihrer Familie managen, verschwand zwischen den Album-Veröffentlichungen jahrelang von der Bildfläche und bestand auf totaler Kontrolle über ihren Output, der in der Errichtung eines eigenen Studios gipfelte. Dort tüftelte sie mit Hilfe ihres engen Freundes und obligaten Bassisten Del Palmer die Hounds Of Love (1985) aus, mit den beiden internationalen Hits Running Up That Hill (A Deal With God), Cloud Busting und dem Songzyklus The Ninth Wave, nach Motiven des britischen Stimmungsdichters Alfred Tennyson. Exquisite Videos trugen dazu bei, die Kultgemeinde der schönen, erotisch anziehenden Außenseiterin zu vergrößern. Dennoch blieb Kate Bush nach wie vor mehr Geheimtip als Pop-Idol, weil sie sich mit intelligentem Vorsatz konfektionierten Erwartungshaltungen verweigerte, ohne kunstgewerblich zu klingen, wie vor allem das 1982 erschienene Album The Dreaming zeigte. Bush besang darin etwa die Tricks des Entfesselungskünstlers Houdini (Houdini) oder die Perspektive des eigenen Todes. Abgesehen von derartig versponnenen Themen benutzte die in jeder Hinsicht autarke Sängerin intensiv die Möglichkeiten digitaler Klangspeicherung und Klangerzeugung. In der Mischung von «akustischen» Klängen mit digitalen Sounds, dem souveränen Verfügen über englische Volksmusik und Rockelemente lag denn auch die Stärke Kate Bushs. Auch die vokalen Techniken der Sängerin waren ohne den Einsatz moderner Studiotechnik nicht denkbar und stellten selbst in der an Klangmanipulation nicht gerade armen Rock- und Popmusik ein singuläres Novum dar. Kritische Stimmen zum Phänomen Bush kamen vor allem aus den USA. Der eher an konventioneller Rockmusik interessierte ?Rolling Stone? diffamierte die Sängerin nach dem Erscheinen der ersten LP als «Kreuzung zwischen Patti Smith und einem Staubsauger». ?Stereo Review? pries zwar die bizarre Musik der Engländerin als «wirksames Heilmittel für geplagte Ohren, die ein Übermaß an banalen, schwer atmenden Pop-Starlets anhören mußten», gab jedoch zu bedenken: «Wie Jod auf einer offenen Wunde kann dieses Medikament schmerzhafter sein als die Verletzung.» Nach dem Erfolg der Hounds Of Love, des Samplers The Whole Story (1986) und verschiedener Singles schien Bush die heimische Soundküche und der Kreis der langjährigen Musikerfreunde zu eng zu werden: Für The Sensual World (1989) und The Red Shoes (1993) versicherte sie sich der Mithilfe von Eberhard Weber, Michael Nyman, Dave Gilmour, Nigel Kennedy, Mick Karn, dem Trio Bulgarka, Gary Brooker, Eric Clapton, Jeff Beck und Prince. Wenn die beiden Alben kommerziell auch nicht ganz so erfolgreich waren wie Hounds Of Love und künstlerisch nicht so kompromißlos wie The Dreaming, so zeigten auch diese beiden Schallplatten die Möglichkeiten der Rockmusik abseits vom Mainstream. Mit The Red Shoes überschritt Kate Bush abermals eine persönliche Grenze: Sechs der Songs nahm sie als Grundlage für ihren Film ?The Line, The Cross, The Curve?, in dem sie selbst als Tänzerin auftrat.