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Foto: Phil Collins
Solo-Künstler

Phil Collins

England seit 1951 Website
2 Alben
Mitglied bei: Genesis
Biografie
Collins, Philip David Charles Phil (voc, dr), am 31. Januar 1951 in London geboren, erschien der ?New York Times? als «die Antwort der Popmusik auf Alfred Hitchcock». Denn der Songschreiber und Instrumentalist verstand sich darauf, «eine spannungsgeladene Stimmung aufkommen zu lassen, in die sich ein drohender Unterton mischt. Seine undurchsichtigen Songtexte sind befrachtet mit unterschwelligen Verdächtigungen, nahenden Verhängnissen und der Ahnung einer Leidenschaft, die sich so sehr aufgestaut hat, daß sie jeden Moment gewaltsam explodieren kann - obwohl es dann doch nie passiert.» Sein charakteristischer Schlagzeug-Sound der machtvollen übereinandergelagerten Drum-Beats, in Echo und Hall aufschillernden Percussion-Zwischentöne und elektronisch unterkühlten Herzschlag-Klangmuster «ist mittlerweile fast die Muster-Rhythmusspur der Achtziger-Jahre-Popmusik» (?Der Spiegel?). Der ehemalige Kinderschauspieler (?Humpty Dumpty?) und Gelegenheitstrommler bei Eintags-Ensembles wie Flaming Youth haute ab 1970 bei Genesis auf die Pauken und übernahm 1974 von dem ausscheidenden Peter Gabriel den Platz am Vokalmikrofon, nachdem 400 andere potentielle Solisten beim Probevortrag gescheitert waren. Unter Collins' Einfluß verlor Genesis «den europäischen Pomp der progressiven Rock-Jahre und legte sich einen Geschmack für amerikanischen Pop und afrikanische Einflüsse zu. Während Gabriel auf irritierende Weise experimentell ist und Genesis noch etwas von ihrer technokratischen Ausstrahlung behalten haben, kommt Collins rüber als ein weiterer lieber britischer Mensch, dem es die schwarze amerikanische Mainstream-Musik angetan hat» (?Billboard?). Mit solcher Neigung, seinem Talent und viel Fleiß ersang sich Collins seit seinem Album Face Value (1981) eine beachtliche Solo-Karriere neben Genesis. Songs wie One More Night, You Can't Hurry Love, Sussudio, Take Me Home, Don't Lose My Number, Easy Lover (mit Philip Bailey von Earth, Wind And Fire), Against All Odds (Take A Look At Me Now) dienten als «Blaupausen für einen neuen europäischen Oberliga-Pop» (?New Musical Express?). Das gleiche Blatt notierte allerdings bei fortschreitendem Hit-Erfolg des Allround-Musikers, der auf zahlreichen Benefiz-Platten und für das von ihm gegründete Jazz Rock-Ensemble Brand X trommelte, Stars wie Eric Clapton, Frida von ABBA, Howard Jones produzierte und nebenbei als TV- und Filmschauspieler reüssierte: «Ermüdend sind inzwischen dieses asthmatische Synthie-Geröchel, das nach Höhepunkten schnappende Drum-Geballere und Melodien, sowenig spritzig wie eine seit drei Tagen offene Mineralwasserflasche.» Europäische Kritiker mäkelten bei seinen Solo-Konzerten: «Der Funke will nicht überspringen» (?Süddeutsche Zeitung?); «Es fehlt an Magnetismus» (?Le Monde?). Der Kritiker der Londoner ?Times? war gar bei Collins live «in ein emotionales Vakuum» gefallen. Der von niederträchtiger Presse als «häßlichster Mann seit George Orwell» (Julie Burchill) geschmähte Publikumsfavorit sah sich als «stinknormalen Typ, der gerne mal in der Kneipe einen hebt mit Leuten, die älter sind als ich und kein Interesse haben, über Musik zu reden». Dennoch blieb Collins mehrgleisig im Gespräch: 1988 als beachtlicher Filmschauspieler in der Kriminalkomödie ?Buster? und als Superstar der Charts mit den Kino-Soundtrack-Hits Two Hearts, A Groovy Kind Of Love. Das Album ... But Seriously (1989) ging als das am schnellsten verkaufte in die britische Pop-Geschichte ein. Collins war ein Mann der Superlative: Für seine Platten konnte er Musiker wie Sting, Nathan East, Greg Phillinganes, Eric Clapton, Steve Winwood, Stephen Bishop, David Crosby, Pino Palladino gewinnen. Seine Platten verkauften sich immer zu Millionen, No Jacket Required innerhalb von sechs Jahren allein in den USA sieben Millionen Stück. Für jede seiner LPs erhielt er Grammies, American Music Awards, Brit Awards; er war mehrmals Drum Poll-Gewinner bei verschiedenen Zeitschriften. Für die Aufnahmen zu Both Sides (1993) ging Collins einen anderen Weg: Er vergrub sich in sein häusliches Studio und spielte sämtliche Instrumente selbst. Das Resultat unterschied sich nur in Nuancen von den aufwendigen Studioproduktionen, zeigte aber einen grüblerischen Collins, der sich mit politischen Konflikten wie dem irischen Bürgerkrieg (We Wait And We Wonder), vor allem aber mit sich selbst beschäftigte: «There's nothing, there's nothing, just me», so im Song I've Forgotten Everything. «Sehr vertrauliche, sehr private Songs schienen plötzlich einfach zu fließen», kommentierte der Künstler. «Ich fühlte auf einmal, daß ich eine Menge zu sagen hatte. Jetzt ist eine gute Zeit, meine Arbeit neu zu bewerten.» Dies hatte vor allem für Genesis Bedeutung: Anfang 1996 trennte sich Collins von seinen alten Weggefährten. «Ich möchte mich in Zukunft mehr mit Filmmusik beschäftigen, etwas mit Jazz und natürlich mit meiner eigenen Karriere», erklärte der musikalisch omnipotente Künstler. Da waren seine Arbeiten an der CD Dance Into The Light (1996) bereits abgeschlossen, die Disney-Filmgesellschaft hatte ihn beauftragt, für den Zeichentrickfilm ?Tarzan? den Soundtrack zu schreiben, und er ging mit Quincy Jones und Tony Bennett auf Big Band-Tournee: «Ich bin wieder, wo ich hingehöre, hinter den Drums. Und ich spiele mit einigen wunderbaren Musikern, worauf ich stolz bin.» Davon beflügelt, stellte er sich 1998 eine Tournee-Big Band mit 14 Bläsern zusammen. Das damit aufgenommene Album A Hot Night In Paris nannte ?Stereoplay? milde einen «amüsanten, unterhaltsamen Live-Trip». Sonst war er von Journalisten schlimmere Schelte gewöhnt. Das Magazin ?Business Age? hatte ihn im Oktover 1997 mit einem geschätzten Privatvermögen von 367 Millionen Dollar als einen der vier reichsten britischen Rock-Stars geoutet. Er war zu seiner 21 Jahre jüngeren Freundin Orianne Cevey ins Steuerparadies Schweiz umgezogen. Das erzeugte Neid, Wut und verletzende Schlagzeilen. Als im Vereinigten Königreich bekannt wurde, Collins sei mit einem Song zur Fußball-WM beauftragt worden, giftete der ?New Musical Express?: «Phil, verpiß dich, wir wollen einen guten WM-Song.» Manchmal, so der Trommler zum ?Spiegel?, fühle er sich «wie ein Maulwurf in diesem Jahrmarktspiel: Kaum hebt sich der Kopf des Maulwurfs aus seinem Versteck, schon schlägt jemand mit einem Spaten - bäng! - auf ihn drauf. Irgendwann kapiert auch der dümmste Maulwurf, daß er besser gleich unten bleibt.» Das, allerdings, wäre für die Pop-Szene ein ziemlicher Verlust.